Jan Eppers ist Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Frische Fische mit Standorten in Berlin und Dresden.

"Bei uns fing alles mit einem Tweet an, in dem von einer schottischen Agentur berichtet wurde, die nur an vier Tagen die Woche arbeitet. Das hat irgendwas bei mir ausgelöst und ich wollte mehr wissen. Nach mehreren Telefonaten habe ich zwar gemerkt, dass es kaum Parallelen zwischen der Agentur und uns gab, aber der Spirit hat mich begeistert. Ich habe weiter recherchiert und dann im November 2014 meinen Mitarbeitern die Idee vorgestellt. Zwei Kolleginnen brachen fast in Freudentränen aus, als ihnen klar wurde, was sie mit einem zusätzlichen freien Tag anfangen könnten. Dann gab es noch Einzelgespräche und im Februar haben wir die Vier-Tage-Woche eingeführt. Man denkt immer, dass das ein großer Schritt ist, aber eigentlich ist das Modell schnell umsetzbar. Ein zusätzlicher Absatz im Arbeitsvertrag und eine Meldung bei der Krankenkasse des Mitarbeiters, viel mehr muss formal nicht beachtet werden.

Bei uns bedeutet die Vier-Tage-Woche für Vollzeitmitarbeiter vier Tage à zehn Stunden Arbeit, also weiterhin 100 Prozent Lohn. Wobei jeder Mitarbeiter die Wahl hat, vier oder fünf Tage zu arbeiten und auch von einem Modell ins andere wechseln kann. So ein langer Arbeitstag hört sich als erstes natürlich hart an, aber das funktioniert schon. Jeder Mitarbeiter hat seine persönliche Strategie entwickelt. Manche Mitarbeiter fangen morgens ganz früh an, damit sie sich abends noch mit Freunden treffen können. Andere kommen lieber später, ihnen ist ein entspannter Morgen wichtiger. Manche Mitarbeiter machen ein zweites Frühstück und eine spätere Mittagspause, damit der Nachmittag nicht so lang wird. Trotz verschiedener Stundenverteilungen haben wir immer genug Zeiten, in denen jeder von uns im Büro ist. Diese Phasen nutzen wir für Besprechungen und Brainstorming.

Trotz zehn Stunden Arbeit am Stück konnte ich bisher noch nicht feststellen, dass es zu Fehlern meiner Mitarbeiter gekommen ist. Im Gegenteil: Es fördert die Selbstverantwortung der Kollegen und ermöglicht bessere Resultate. Einige unserer Kunden ziehen das Modell für sich selbst in Erwägung, keiner hat sich bisher beschwert. Als wir ihnen per E-Mail alle Infos über unsere Umstellung mitgeteilt haben, gab es nur positive Rückmeldungen. Über die körperliche Belastung der langen Arbeitstage hat sich auch noch keiner meiner Mitarbeiter beschwert. Wir haben zwar kein spezielles Gesundheitsprogramm, aber thematisieren unser Wohlbefinden am Arbeitsplatz schon. Jeder sollte aufstehen, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Außerdem haben wir im Besprechungsraum eine Liege, so kann man mal in einer anderen Position nachdenken und muss nicht zehn Stunden am Schreibtisch sitzen.

Ich selbst habe es erst vier Mal in diesem Jahr geschafft, den Freitag frei zu machen. Da ich drei kleine Kinder habe, muss ich jeden Tag sehr flexibel sein und mir persönlich ist das mehr wert als ein ganzer freier Tag. Aber Kinder sind nicht unbedingt ein Hindernis für das Konzept. Wir haben zwei Mitarbeiterinnen mit je zwei kleinen Kindern, die es schaffen, die Betreuung so zu regeln, dass sie Vollzeit arbeiten können. Sie genießen dann den zusätzlichen freien Tag mit ihrem Nachwuchs.

Ich hoffe und erwarte, dass mit der Zeit viele Unternehmen nachziehen. Es gibt immer Interesse an unserem Modell, die Nachfrage scheint wirklich hoch zu sein. Ich verstehe nicht, warum nicht schon mehr Unternehmen das Modell umsetzen oder zumindest einmal ausprobieren."