Auch eine Untersuchung des Beratungsunternehmen D&I Strategy and Solutions sowie das Inclusion Institute kam zu diesem Ergebnis. Ein wesentlicher Faktor ist weiterhin, dass Frauennetzwerke häufig keinen eigenen Etat haben, sondern immer wieder betteln gehen müssen, um Geld für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Anerkennung für die Frauen, die sich um das Netzwerk kümmern, gibt es im Regelfall nicht. Im Gegenteil: Oft läuft die Arbeit für das Frauennetzwerk nebenher. Die Mitglieder machen dafür sogar Überstunden. Doch dadurch fehlen den Frauen oft Ressourcen für Sonderprojekte in Rahmen der eigentlichen Tätigkeit – solche Sonderprojekte wirken sich aber zugunsten der eigenen Karriere aus.

Ein weiteres Manko ist, dass in vielen Unternehmen die Frauenbündnisse eher graswurzelartig entstanden sind und daher nicht angedockt sind an das Management. Dadurch fehlt es den Netzwerken aber an Einfluss oder eigenen Rechten. Und selbst da, wo Frauennetzwerke von oben gewollt und unterstützt werden, sind die Bündnisse darauf angewiesen, dass sich ein Mitglied des Unternehmensvorstands der Sache annimmt. In manchen Unternehmen ist das zum Glück der Fall.  Generell bedeutet das vielfach, dass es dem Frauennetzwerk an Durchsetzungsfähigkeit und Anerkennung innerhalb der Organisation fehlt.

Probleme von informellen Netzwerken

Aber auch informelle Netzwerke von Frauen sind viel weniger wirksam als Männerbündnisse. Das liegt Studien zufolge zum einen daran, dass sich Frauen einerseits zu wenig trauen, aktiv nach Karrierehilfe zu fragen – und auch aktiv ihre Ambitionen zu kommunizieren. Zum anderen daran, dass den Bündnissen Entscheiderinnen fehlen. Frauen, die den Aufstieg schaffen – und das beschreibt die Sozialforschung schon seit 30, 40 Jahren – neigen dazu, ihre Geschlechtsgenossinnen nicht zu unterstützen. Sie haben oft die Erfahrung gemacht, dass sie es ja trotz aller Widrigkeiten geschafft haben. Und Frauen haben in der Regel leider immer noch einen anderen Umgang mit Wettbewerbs- und Konkurrenzsituationen. Da fragt sich dann die Ältere, die es geschafft hat: "Ich hatte es so schwer – warum soll ich einer anderen helfen, damit die es leichter hat?" Noch immer wird maßgeblich über traditionelle Geschlechterbilder auch unser Verhalten dominiert – und das hat gerade beim Umgang mit Kooperation und Wettbewerb oft negative Auswirkungen für Frauen. Die fehlende Frauensolidarität ist auch im Jahr 2017 immer noch ein Problem. Hinzukommt: Informelle Netzwerke entstehen oft unter Gleichrangingen und sehr homogenen Gruppen – die Frauen verbindet etwas. Ein gemeinsamer Wert, eine gemeinsame Erfahrung. Oft ist es eine gemeinsame Opfererfahrung. Was fehlt sind Anführerinnen, die das Netzwerk prägen – und so ist so ein Bündnis dann oft eher eine Selbsthilfegruppe, aber wenig wirksam, wenn es darum geht, Entscheidungspositionen zu besetzen.

Networking fällt vielen immer noch schwer

Oft sind Netzwerke auch dann nicht so wirkungsvoll wie gehofft, weil die Mitglieder mit falschen Erwartungen in das Bündnis eintreten. Viele Frauen glauben, dass man in solch einem Netzwerk interne Informationen aus erster Hand bekommt oder andere Vorteile für seine Karriere erhält. Wird das nicht erfüllt, ziehen sich einige wieder enttäuscht zurück. Enttäuschung stellt sich übrigens auch bei Männern in Männerbündnissen ein. Selten wird man schon beim ersten Treffen einen echten Ertrag haben – denn so funktionieren Netzwerke nicht. Sie leben davon, dass sich alle Mitglieder einbringen und zwar aktiv. Das dauert und ist Arbeit.

Es gibt übrigens noch ein interessantes Phänomen, das kürzlich von Forschern der Universität Toronto beschrieben wurde: Netzwerken hinterlässt bei vielen Menschen schlechte Gefühle! Sie fühlen sich eher schuldig – vor allem dann, wenn sie sich als rangnieder wahrnehmen und meinen, nichts und nur wenig zum Erfolg eines Netzwerks beitragen zu können. Für die Studie hatten die Wissenschaftlerinnen mehrere Hundert Probanden zu ihren Netzwerkerfahrungen befragt. Die Mehrheit der Befragten gab an, sich schmutzig zu fühlen, wenn sie berufliche Netzwerke nutzen, ohne dem anderen einen Gegenwert bieten zu können. Das schlechte Gefühl ist der Untersuchung zufolge umso ausgeprägter, je niedriger das eigene Karrierelevel ist. Völlig klar: In einer unteren Position hat man in der Regel wenig, was man einem Ranghöheren für Schützenhilfe bieten kann.

Die Autoren in der Studie schreiben, Netzwerke seien vor allem dann richtig wirksam, wenn die Qualität der Beziehungen gleichwertig ist. Das heißt nicht zwangsläufig, dass Networking nur unter Gleichrangigen funktioniert. Es kann auch sehr wirksam zwischen Berufseinsteigern und Berufserfahrenen, zwischen Mitarbeitern auf den unteren Positionen und Führungskräften sein – Voraussetzung ist aber, dass alle Beteiligte vom Netzwerken profitieren. Für den Ranghöheren können das beispielsweise gute Gefühle sein – etwa weil er helfen kann. Der Austausch mit einem Jüngeren kann, wie etwa in Mentoringprojekten, zur Selbstreflexion anregen. Und auch die damit verbundene Loyalität und Unterstützung durch den Rangniederen können ein Benefit sein.

Nach der erfahrenen Frauennetzwerkerin, Journalistin und Gründerin von Saal Zwei sowie Gründerin der Working Moms e.V. in Hamburg, Stefanie Bilen, muss ein wirkungsvolles Netzwerk über "eine gute Führung und Organisation verfügen. Es reicht nicht, einmal ein Konzept aufzusetzen und dann treffen sich alle. Notwendig ist neben einer Agenda auch das gemeinsame Verständnis darüber, was der Zweck des Netzwerks ist. Und dann braucht es natürlich Menschen, die ernsthaft netzwerken wollen und es als eine Art Marktplatz verstehen: Ich brauche X und biete gleichzeitig Y."