Rubine, Smaragde, Gold und Platin: Für Edelsteinfasser sind Wert und Einzigartigkeit der kostbaren Rohstoffe nur von sekundärem Interesse. Zwar besteht durchaus Respekt vor der Arbeit mit den Luxusmaterialien – in erster Linie sind Edelsteine und -metalle für sie jedoch ihr ganz alltägliches Arbeitsmaterial.

Durch die Kombination von Edelsteinen und Edelmetallen etwas ganz Besonderes und Einzigartiges zu schaffen, darauf ist das Hauptaugenmerk von Edelsteinfassern und Edelsteinfasserinnen gerichtet. Ihre hohe Kunst besteht darin, dass die Steine nicht eingeklebt, sondern eingefasst werden. Das heißt: Sie werden so in eine vorgegebene Form eingesetzt und das Edelmetall wird so verformt, dass sich der Edelstein in der Form hält.

Zumeist bekommen die Schmuckexperten die Materialien, etwa einen Goldring sowie den einzufassenden Stein, von einem Kunden geliefert. Dies können Goldschmiede sein, aber auch Privatkunden, die in einen Ring oder ein anderes Schmuckstück neue Steine eingefasst bekommen möchten. Oft sind Art und Form der Einfassung anhand einer Skizze vorgegeben.

Guter Hauptschulabschluss ist Voraussetzung

Nicht selten jedoch beraten Edelsteinfasser auch ihre Auftraggeber, insbesondere hinsichtlich der Art der Einfassung. Abhängig von der Form, des Materials, der Beschaffenheit und vor allem vom vorgegebenen Aussehen des fertigen Schmuckstücks greifen Edelsteinfasser auf unterschiedliche Arten einer Fassung, die dann von Hand angefertigt wird. Die häufigste Form ist die Zargenfassung: Hier wird ein Stein komplett vom Edelmetall umschlossen und so an der vorgesehenen Stelle gehalten. Dazu wird der Edelstein in die vorgearbeitete Mulde eingebracht und der leicht überstehende Metallrand an den Edelstein gedrückt. Im Fachjargon wird diese Verformung "Treiben" genannt.

Zu den weiteren, häufig angewendeten Varianten gehören die Pavéfassung, bei der viele kleine Steine dicht nebeneinander eine geschlossene Edelsteinfläche bilden, und die Krappenfassung, bei der ein Edelstein nur durch dünne Edelmetallstege gehalten wird. Ganz gleich, für welche Fassungsart sich der Fachmann entscheidet, es gilt stets: Je kleiner der Edelstein, desto schwieriger ist das Einfassen. Mitunter werden Steine von nur etwas mehr als einem halben Millimeter eingefasst.

Für die filigrane Arbeit sind handwerkliches und motorisches Geschick, ein ruhiges Händchen und Fingerspitzengefühl, Geduld, aber auch ein ausgeprägtes Empfinden für Ästhetik nötig. Auch Präzision, Genauigkeit sowie Verantwortungsbewusstsein werden von Edelsteinfassern verlangt.

Die duale, staatlich anerkannte Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und ist in Industrie-, Handels- und Handwerksbetrieben möglich. Ausbildungsstellen sind jedoch rar, denn das Interesse an diesem Handwerksberuf hat in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Entsprechend werden nur wenige Ausbildungsplätze bereitgestellt. Wer sich für eine Ausbildung zum Edelsteinfasser beziehungsweise zur Edelsteinfasserin entscheidet, sollte solide Kenntnisse der Mathematik mitbringen sowie einen guten Hauptschulabschluss vorweisen können.