Manche Ideen brauchen ziemlich lange, um zu reifen, weil sie mit der klassischen Arbeitswelt wenig zu tun haben. So war es auch im Fall von Dirk Fehse. Beruflich schlug er zunächst einen konventionellen Weg ein: "Ich bin im Osten aufgewachsen, wollte eigentlich Tischler oder Automechaniker werden, landete aber in der Sparte Bürokaufmann", sagt er. Mit Mitte 20 begann er, BWL mit den Schwerpunkten Controlling und Rechnungswesen zu studieren.

"Das war okay, aber irgendwie fühlte es sich nicht richtig an." Fehse beschloss, sich eine Auszeit zu nehmen: "Ich wollte mich auf mich besinnen, wollte rausfinden, wer bin ich eigentlich und was tut mir gut?"

Ein Auslandssemester in Australien sollte Klarheit bringen. Vier Monate studiert Fehse, drei Monate fuhr er mit einem Wohnmobil – teilweise von einem Freund begleitet – rund 17.000 Kilometer quer über den Kontinent. "Das war irre, ich liebe diese Art zu reisen und habe mich zum ersten Mal einfach nur frei gefühlt: Kein Job, kein Lernen, kein Druck – einfach nur ich und die Natur." 

Fehse merkte, dass er nicht viel brauchte, um glücklich zu sein: Materielle Dinge und Äußerlichkeiten schienen ihm nicht mehr wichtig. Rasuren fielen aus, geduscht wurde nicht mehr jeden Tag, das freie Leben in der Natur wurde zum Lebensmittelpunkt. "Das war der erste Schritt, mich selber  kennen zu lernen. Zu merken, was mir Freude und Spaß macht und nicht nur leistungsorientiert durchs Leben zu gehen, wie ich es vorher gemacht habe."

Elternzeit im Camper

Eine Konsequenz konnte der Berliner aus seiner Erkenntnis zu dem Zeitpunkt noch nicht ziehen. Er kehrte nach Deutschland zurück und beschloss, sich mehr Zeit für sein Studium zu nehmen, alles gemächlicher angehen zu lassen. Doch dieser Vorsatz währte nur kurz, denn mit Abschluss der Hochschulzeit bekam er das Angebot, in der Wirtschaftsprüfung zu arbeiten. 

Seiner Camper-Leidenschaft blieb der heute 35-Jährige treu. Auch wenn das in Europa gar nicht so einfach war: "Alle Mietangebote, die es gab, überstiegen mein Budget. Also habe ich mir einen eigenen VW-Bulli gekauft und ihn zum Camper ausgebaut. Ich habe ihn Paul getauft." Mit Paul und seiner Freundin ging Fehse in Europa auf Tour. Wenn er es nicht selber brauchte, vermietete der Berliner sein Fahrzeug an Freunde und Bekannte. "Das wurde immer mehr, ich war ganz schnell ausgebucht und merkte, dass es offenbar Bedarf gibt, günstig Wohnmobile zu mieten."

Auch Menschen, die sich anderen Urlaub hätten leisten können, mieteten Paul. Fehse erzählt von einem Anwalt, der das Gefährt nutze, um ein paar Wochen Elternzeit mit seiner Frau und seinen zwei Kindern darin zu verbringen. "Die Mieter haben mir für die Zeit gedankt, die sie mit meinem Camper hatten. Das hat mich berührt und ich habe gemerkt, dass Arbeit Spaß machen kann, dass sie sinnvoll sein kann."

So entstand langsam die Geschäftsidee, die vielen über das Jahr meist ungenutzt herumstehenden Wohnmobile für mehr Menschen zugänglich zu machen: mit einer Plattform, über die Privatleute ihr Wohnmobil vermieten können. "Am 1.1.2013 habe ich das Gewerbe für die Vermittlung von Campingbussen angemeldet. Heute sind wir mit PaulCamper eine der größten Community-Plattformen in Europa, bieten zurzeit mehr als 1.500 Fahrzeuge an und jeden Monat kommen 150 hinzu." Mittlerweile beschäftigt PaulCamper 30 Mitarbeiter.

Fehse ist stolz, vor allem darauf, dass es ihm gelungen ist, beruflich authentisch und unabhängig zu werden: "Ich weiß jetzt, wer ich bin, was ich kann und was mir Spaß macht."