Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker – oder einen Pharmakanten, denn der kennt sich mit Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen von Medikamenten aus: Pharmakantinnen und Pharmakanten steuern die Produktionsanlagen für Tabletten, Cremes, Salben, Pulver, Tropfen und Nahrungsergänzungsmittel, beaufsichtigen den Fertigungsprozess und sind für das Qualitätsmanagement verantwortlich.

Die Produktion findet in speziellen Reinräumen statt, wo die Luft gefiltert wird und strenge Hygienevorschriften gelten. Betreten kann man diese Räume nur durch eine Schleuse, zudem müssen die Pharmakanten bei ihrer Arbeit Schutzkleidung tragen – damit keine Keime in die Fertigungsanlangen gelangen und um den Arbeiter zu schützen: Denn für die Herstellung von Medikamenten kommen Rohstoffe zum Einsatz, die explosiv, brennbar, giftig oder ätzend sein können.

Für die Herstellung eines Arzneimittels müssen die Pharmakanten die enthaltenen Rohstoffe zusammenstellen und abwiegen. Dies können pflanzliche oder chemische Inhaltsstoffe oder auch Zusatzstoffe wie Zucker, Fette, Stärke oder Farbstoffe sein. Vor der Verarbeitung werden die Stoffe je nach Bedarf und Anwendung extrahiert, getrocknet, zermahlen, verflüssigt und gefiltert. Dazu müssen Pharmakanten mit unterschiedlichen Maschinen umgehen, diese bedienen und einfache Wartungsarbeiten durchführen können. Bei der Rezeptur kommt es aufs Milligramm an. Nicht zu viel, nicht zu wenig darf in den Medikamenten enthalten sein, sonst kann die Wirkung anders ausfallen, als erwünscht. Nicht selten erfolgt die Arbeit daher in Zweierteams, um Fehler auszuschließen.

Internationale Standards

Bei ihrer Arbeit müssen sich Pharmakanten und Pharmakantinnen an strenge, international gültige Richtlinien halten. Jeder Produktionsschritt wird dokumentiert, damit Zusammensetzung und Produktion vollständig nachvollziehbar sind.

Nach der Fertigstellung des Medikaments steht für Pharmakanten die Qualitätsprüfung an. Entsprechen Gewicht, Form und Farbe einer Tablette den Vorgaben? Löst sich die Tablette in der vorgesehenen Zeit auf? Weist eine Salbe die gewünschte Konsistenz auf?

Nach umfangreichen Tests und Stichproben werden die Arzneimittel verpackt. Auch hier gelten EU-Richtlinien und Vorgaben des Arzneimittelgesetzes. Die Außenverpackung muss ebenso wie die Blister in einwandfreiem Zustand sein. Zudem muss die Verpackung mit der Zulassungsnummer und dem Verfallsdatum versehen sein. Nach der Endkontrolle durch die Pharmakanten sind die Arzneimittel schließlich bereit für den Versand in Apotheken und den Einzelhandel.

Schwerpunkt Mathematik

Wer die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Pharmakanten absolvieren möchte, sollte Präzision, Sorgfalt, Aufmerksamkeit sowie ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Auch ein gutes technisches Verständnis gehört zum Anforderungsprofil.

Aufgrund der anspruchsvollen Ausbildungsinhalte mit den Schwerpunkten Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie, Physik und Chemie sollte ein Realschulabschluss oder mindestens ein guter Hauptschulabschluss vorhanden sein. 

Während der Ausbildung lernen die angehenden Pharmakanten alles über Funktionsweise, Bedienung und Wartung der Fertigungsmaschinen sowie alles über die unterschiedlichen Rohstoffe, über ihre Eigenschaften und Wirkungsweisen sowie den Umgang mit ihnen. Auch Hygiene- und Sicherheitsvorschriften gehören zu den Ausbildungsinhalten. Abgeschlossen wird sie Ausbildung mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung. Unternehmen aus der Pharmaindustrie suchen dringend nach Pharmakanten, daher sind die Chancen auf eine Festanstellung sehr hoch. Zudem gilt der Beruf als krisensicher, denn der Bedarf an Medikamenten steigt jährlich.

  • Gehalt: das Einstiegsgehalt liegt, abhängig von der Region, zwischen 1.800 und 2.900 Euro/brutto
  • Arbeitszeit: Die Arbeitszeit liegt zwischen 37 und 40 Stunden/Woche
  • Ausbildung: Die duale Ausbildung dauert 3,5 Jahre