EU-Entwicklungshelfer

Viel Zeit hatte Stefan Schleuning in Daressalam nicht. Der deutsche Historiker, der im afrikanischen Tansania das Entwicklungshilfe-Referat für Wirtschaft und Good Governance der EU-Kommission leitet, musste noch Geld loswerden. EU-Gelder nämlich, die in den Fortschritt des Landes investiert werden. Und weil das laut Vorgabe bis zum Ende des Jahres passieren musste, war Schleuning zuletzt viel unterwegs. Es galt, seine Gesprächspartner zu überzeugen. Doch die Verhandlungen mit der Regierung des armen Landes waren zäh. Die an die Mittel geknüpften Bedingungen scheinen den Einheimischen inakzeptabel, und die Gegenvorschläge den Ausländern zu wenig ambitioniert.

Der 38-Jährige hat sich an dieses Ringen ebenso gewöhnt wie an die bleierne Schwüle und die holprige Technik. Seit 15 Monaten lebt der deutsche EU-Beamte mit seiner Frau und den Kindern an der ostafrikanischen Küste gleich unterhalb der Sahara . Er wohnt hinter einer Mauer mit einem Wachmann am Tor, meidet bestimmte Viertel und sagt trotz allem: "Die Auslandsaufenthalte machen den besonderen Reiz daran aus, bei einer internationalen Organisation zu arbeiten. Aber man bezahlt auch einen Preis, weil die sozialen Kontakte leiden."

Nach neun Jahren in Brüssel , wo der Slavistik-Experte für Themen in Osteuropa zuständig war, kam der Pflicht-Auslandseinsatz. Jährlich werden rund 90 Stellen ausgeschrieben, je acht dürfen EU-Entsandte ankreuzen. Auf Schleunings Wunschliste standen auch Laos, Uganda und Vietnam, damit seine Ehefrau weiter für den World Wide Fund for Nature arbeiten kann. 2012 wird er zurück in Brüssel sein. Ob er dann einen Karriereschritt im mittleren Management macht, weiß er noch nicht. Aber "eine Referatsleiterstelle wäre eine gute Option".

UN-Klimasekretärin

"Ich möchte, dass das große Ganze zum Wohl aller funktioniert", sagt Annett Möhner. Gegen Missstände zu protestieren, reichte der Berliner Umweltwissenschaftlerin aber nicht, das merkte sie schon früh. "Ich wollte lieber Dinge anschieben", das grenzüberschreitende Thema des Umweltschutzes etwa. Und dafür musste die Master-Absolventin der amerikanischen Louisiana State University bei einer internationalen Organisation anheuern.

Das Bosch-Stipendium diente der 31-Jährigen 2003 als Sprungbrett. Für ihr Projektthema "Klimawandel: Anpassung an die Folgen" arbeitete sie bei der OECD in Paris mit. Danach ging sie für die GTZ nach Indien und gewann dort eine wegweisende Erkenntnis: "Feldarbeit ist nichts für mich. Ich bin fürs Hauptquartier gemacht." Also bewarb sie sich als Beigeordnete Sachverständige und wurde noch während des Kollegiats vom Sekretariat der UN-Klimarahmenkonvention in Bonn eingestellt.

Aus 24 Monaten sind fünf Jahre geworden. Ihre international ausgewogen besetzte Abteilung, die ein Kubaner leitet, bereitet Klimagipfel vor, zuletzt die Veranstaltung in Kopenhagen. Für ihre Arbeit muss Annett Möhner viel Geduld aufbringen. Allein das international konsensfähige Abkommen zu entwerfen, dauerte zwei Jahre. Die Referentin reiste zu zahlreichen Treffen der Vertragsstaaten-Gruppen, zum EU-Block etwa oder zur G77 der Entwicklungsländer. "Wir fassen ihren Input zusammen, präsentieren dann allen eine neue Fassung, zu der wir erneut Kommentare der Gruppen einholen. Diese Prozedur wiederholen wir, bis ein Kompromiss erzielt ist."

Außerdem, sagt sie, "wird man leicht zum Zweckoptimisten". Kein Wunder angesichts offizieller Sprachregelungen wie: "UN-Konferenzen sind entweder erfolgreich oder sehr erfolgreich." Wenn Diplomaten verhandeln, ist es nicht immer leicht, den Fortschritt zu erkennen.