Während Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit Facebook, Google und Co. um Datensicherheit im Internet streitet, wünscht sich auch Andreas K.*, er hätte einige Informationen nicht so leichtfertig online verbreitet. Wegen eines einzigen Eintrags im Internet hat er einen Job nicht bekommen.

K., Berufseinsteiger mit guten Noten, war in der Bewerbungsphase Mitglied in einem sozialen Netzwerk wie beispielsweise StudiVZ, Xing oder Wer kennt wen, hatte dort Fotos hochgeladen, Freunde verlinkt, Kommentare verschickt. Und er war Fan von "Gruppensex für den Weltfrieden". Gedacht hat er sich dabei zunächst nichts, es sollte ein Witz sein. Im Vorstellungsgespräch wurde K. vom Personaler direkt auf seine vermeintliche Vorliebe angesprochen, den Job hat am Ende ein anderer angetreten.

Fälle wie dieser gehören für Susanne Krian, Geschäftsführerin vom einer Reputation-Management-Agentur, zum Tagesgeschäft. Sie hilft ihren Kunden dabei, peinliche Fotos, diffamierende Texte vom Exfreund oder Kommentare in dubiosen Gästebüchern wieder aus dem Netz zu entfernen. "Der Bedarf ist da, wir bekommen täglich bis zu 30 Aufträge", sagt Krian.

In Deutschland gibt es mittlerweile ein Dutzend sogenannter Online-Reputation-Defender. Es sind junge Unternehmen mit Namen wie My-Image-Control, Dein guter Ruf.de oder Saubere Weste, die sich um den virtuellen Ruf ihrer Kunden kümmern.

Und das scheint nötig zu sein: Die Deutschen verbringen immer mehr Zeit im Internet, im Durchschnitt surft jeder Deutsche über 14 Jahren 100 Minuten täglich im Netz, wie der Branchenverband Bitkom berichtet. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei hinterlassen die Nutzer oft Einträge, die ihnen später wieder leid tun. Wer gerade auf Jobsuche ist, sollte sich überlegen, ob er mit einem gut gepflegten Profil im Business-Netzwerk gefunden werden möchte oder im Gästebuch eines Partyveranstalters.

Eine Studie des Verbands Deutscher Unternehmensberater, in der über 300 Personaler befragt wurden, kam zu dem Ergebnis, dass immerhin 28 Prozent der Befragten das Internet nutzen, um an Informationen von möglichen Kandidaten zu gelangen. Dabei interessieren die Personaler nicht nur die Referenzen alter Arbeitgeber, sondern eben auch die Hobbys des Bewerbers.

"Die Verteidigung des eigenen Rufs im Internet wird immer wichtiger, weil wir das Netz heute als authentische Informationsquelle wahrnehmen. Wir glauben, was da steht", sagt Viktor Mayer-Schönberger, Internetwissenschaftler und Medienrechtsexperte. Er weiß aus jahrelanger Erfahrung, wie schnell falsche Fakten verbreitet werden können und warnt vor einer zu lässigen Haltung. "Wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, kann sich ziemlich sicher sein, dass er im Voraus gegoogelt wird", sagt er.

Aus diesem Grund rät er gerade Menschen auf Jobsuche, mindestens einmal pro Monat den eigenen Namen in die großen Suchmaschinen einzugeben. Und wer nicht weiß, wie er mögliche negative Einträge und Verlinkungen löschen kann, sollte sich an ein Unternehmen wenden, das sich darauf spezialisiert hat.

Reputationsdefender verdienen mit dem Ruf fremder Leute im Netz. Wie das funktioniert? "Wir analysieren das gesamte Internet, verdichten alle Ergebnisse und nehmen dann Kontakt zu den Betreibern der jeweiligen Website auf und bitten sie, die entsprechenden Einträge zu löschen. Das Vorgehen ist zunächst höflich, dann bestimmt. Und wenn es gar nicht anders geht, raten wir unseren Kunden zu klagen", erklärt Krian.

Die Preisspanne ist groß. Dabei ist es häufig gar nicht so einfach, den Kontakt zum Betreiber herzustellen und ihn von der Dringlichkeit des Problems zu überzeugen. Denn er muss Inhalte auf seiner eigenen Seite in der Regel nur löschen, wenn es sich um üble Nachrede, Beleidigungen oder Äußerungen von Dritten handelt. Sitzt der Betreiber in Deutschland, geht es wegen der Rechtslage meist ohne juristischen Beistand, bei ausländischen Anbietern muss häufig ein Anwalt eingeschaltet werden, da die Datenschutzbestimmungen entweder lockerer als hierzulande oder aber erst gar nicht vorhanden sind.