"Wir müssen endlich wegkommen von dem leider immer noch weit verbreiteten aber unzutreffenden Kistenschieber-Image", klagt Moritz Zumpfort von der Metro. Allein an seinem Münchner Standort hätte der Handelskonzern im vergangenen Jahr eine dreistellige Anzahl an zusätzlichen Auszubildenden einstellen können – wenn ausreichend qualifizierte Bewerbungen vorgelegen hätten. Das war leider nicht der Fall. Doch nicht nur in Bayern sieht es mau aus. Zunehmende Engpässe verzeichnet der Düsseldorfer Konzern auch in Stuttgart, Frankfurt am Main und Berlin. Dieses Jahr wird Metro wieder mehrere hundert Lehrstellen nicht besetzen können.

Nicht nur der Handel ist von dem Bewerbermangel für Ausbildungsstellen betroffen. Allein in den Lehrstellenbörsen der Handwerksammern gibt es noch 15.000 freie Ausbildungsplatzangebote. Verbandspräsident Otto Kentzler behauptete daher, in allen Berufen gebe es noch freie Plätze, so dass junge Leute eine große Auswahl hätten. Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, sprach von einer robusten Verfassung des Ausbildungsmarktes. Besonders im Osten suchten viele Firmen wegen des teils dramatischen Rückgangs der Schulabgängerzahlen händeringend nach qualifizierten Bewerbern.

Die Bundesagentur für Arbeit will davon nichts wissen. Es gäbe genügend Bewerber. Die Firmen müssten endlich umdenken. Die Ausbildungsbetriebe könnten nicht mehr nur die Besten auswählen, sondern müssten auch schwächeren Jugendlichen eine Chance geben.

Genau das tun bereits einige Unternehmen. Darunter die Metro. Der Konzern bietet eine zweijährige Einstiegsausbildung für bildungsschwächere Jugendliche an, die für eine anschließende Weiterqualifizierung in einem dreijährigen Ausbildungsberuf offen ist. Andere Unternehmen fördern ihre Azubis zusätzlich während der dreijährigen Ausbildungszeit. So bietet die Mannheimer MVV Energie einen Auffrischungskurs für Mathematik an, um den Einstieg in die theoretische Ausbildung an der Berufsschule zu erleichtern.

Zusätzlich erhalten Auzubildene, die nur mit "Ausreichend" oder schlechter bewertet werden, nach spätestens einem Jahr Stützunterricht. Der Automobilzulieferer Veritas aus dem hessischen Gelnhausen engagiert eigens Lehrer, die die Auszubildenden auf die Prüfungen vorbereiten, und organisiert unternehmensinterne Nachhilfegruppen zu speziellen Themen. Auch der Pumpenhersteller KSB unterstützt seine Lehrlinge. "Wir spüren seit einiger Zeit, dass das Niveau der Einstiegsqualitäten unserer Auszubildenen sinkt", begründet Ausbildungsleiter Franz Eller das Engagement.

Doch nicht alle Ausbildungsbetriebe sind von dem Problem betroffen. "Wir sind mit unseren Bewerbern sehr zufrieden", sagt etwa Ulrich Wilhelm Siekmann, Geschäftsführer des Familienunternehmens Siematic in Löhne. Der Küchenhersteller schaltet noch nicht einmal Anzeigen, um Lehrlinge zu rekrutieren, sondern vertraut ausschließlich auf regionale Netzwerke. "Vielleicht liegt es daran, dass wir ein internationales Markenprodukt sind. Auch die Unternehmenskultur dürfte sich bei uns positiv auswirken", meint Siekmann. Auch beim Lebensmittelkonzern Nestle heißt es, man habe generell weniger Probleme qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Allerdings gäbe es im Controlling und Ingenieurwesen einen leichten Engpass.

(Zuerst erschienen im Handelblatt)