Das Bangen um einem Ausbildungsplatz hat ein Ende: Jugendliche haben gute Chancen auf eine Lehrstelle. In diesem Jahr seien bis Ende November rund 332.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, erklärte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, am Donnerstag. Dies seien etwa so viele wie im Vorjahr. 2010 hätten aber rund 24.000 Jugendliche weniger die Schulen verlassen als ein Jahr zuvor. In der Folge hätten auch viele Altbewerber, die zunächst leer ausgegangen waren, nun eine Lehrstelle gefunden, erklärte der DIHK-Chef. Jugendliche mit guten Abschlussnoten hätten in diesem Jahr "buchstäblich freie Wahl" gehabt.

Auch die Chancen in der Nachvermittlung für Jugendliche ohne Lehrstelle durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeinsam mit der Wirtschaft  seien außergewöhnlich gut, erklärte Driftmann. Im bundesweiten Durchschnitt habe es pro nicht vermitteltem Schulabgänger in diesem Jahr in der Nachvermittlung 3,3 freie betriebliche Ausbildungsplätze gegeben – so viele wie noch nie. 2006 habe diese Quote noch bei 0,8 gelegen. In einzelnen Regionen wie etwa in Teilen Bayerns kämen sogar bis zu 60 Ausbildungsplätze auf einen Jugendlichen in der Nachvermittlung.

Dennoch ließen viele Jugendliche diese Angebote ungenutzt. 43 Prozent der Bewerber ohne Ausbildungsplatz hätten sich trotz Einladung nicht bei der Nachvermittlung gemeldet. Elf Prozent hätten sich mit Entschuldigung abgemeldet. Damit seien nur 46 Prozent der Jugendlichen zur Nachvermittlung gekommen – so wenige wie nie.

In einzelnen Regionen wie etwa Frankfurt am Main, Karlsruhe oder Freiburg im Breisgau gebe es schon keine Nachvermittlung mehr, weil es schlicht an Bewerbern fehle. Die schwache Beteiligung an dem Programm bedeute für die Wirtschaft, dass sie zumindest einen Teil ihrer Ausbildungsplätze in diesem Jahr nicht besetzen könnten, sagte DIHK-Chef Driftmann.

Wirtschaftsverbände befürchten auch einen akuten Mangel an Auszubildenden im Osten Deutschlands. In den neuen Bundesländern wurden 8,9 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen, im Handwerk sank die Zahl um 8,2 Prozent, hieß es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Auch bei den Freiberuflern gab es im Osten einen Rückgang um 2,2 Prozent. Je nach Region werde es für Kanzleien, Praxen und Apotheken immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden.