Ich möchte einige Mitarbeiter "auf Abruf" beschäftigen. Worauf sollte ich da achten?, fragt Andrea Mühlman n

Sehr geehrte Frau Mühlmann,

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat. Das nennt man Arbeit auf Abruf. Wichtig ist, dass die arbeitsvertragliche Vereinbarung eine bestimmte Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit festlegt.

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Als Arbeitgeberin sind Sie verpflichtet, Ihrem Mitarbeiter mindestens vier Tage im Voraus mitzuteilen, wann Sie ihn einsetzen möchten. An dieser Frist ist in der Regel nicht zu rütteln, denn Ihr Mitarbeiter soll die Möglichkeit haben, seine Arbeitskraft auch anderweitig einzusetzen. Einzige Ausnahme: ein Tarifvertrag, der zuungunsten des Mitarbeiters von dieser Frist abweicht, aber Regelungen über die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit und die Vorankündigungsfrist vorsieht.

Sie müssen bei der Vier-Tage-Frist auch beachten, dass es sich hier um Kalendertage handelt, also die Sonn- und Feiertage beachten. Möchten Sie beispielsweise Ihren Mitarbeiter am Mittwoch einsetzen, müssen Sie ihn am Freitag in der Vorwoche informieren. Der Tag, an dem Sie Ihren Mitarbeiter informieren, wird nicht mitgerechnet. Auch zählt der Tag des geplanten Arbeitsbeginns nicht mit. Halten Sie sich nicht an diese Frist, ist Ihr Mitarbeiter auch nicht verpflichtet, zur Arbeit zu erscheinen. Seine Weigerung hat für ihn in diesem Fall auch keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen, weil eine zu kurze Frist die Anordnung unwirksam werden lässt.

Möchten Sie dennoch flexibel auf Ihren Mitarbeiter zugreifen, können Sie ihm einen Anreiz bieten, indem Sie ihm eine Prämie zahlen. Diese könnten Sie nach Tagen staffeln: je kürzer die Ankündigungsfrist desto höher die Prämie.

Bei der Ankündigung selbst sind Sie an keine besondere Mitteilungsform gebunden. Sie können Ihren Mitarbeiter also per Brief, Fax, E-Mail, Telefon oder auch mündlich über seinen Arbeitseinsatz informieren.

Ansonsten gilt: Die Dauer der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit muss vereinbart werden. Eine bloße Angabe von Monats- oder Jahresdeputaten reicht nicht, weil das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) eine wöchentliche Arbeitszeit von 10 Stunden vorsieht.

Und schließlich sind Sie auch dazu verpflichtet, Ihren Mitarbeiter auch für diesen Zeitraum zu entlohnen, selbst wenn er seine Arbeitsleistung NICHT erbracht hat. Fehlt überdies eine Vereinbarung über die tägliche Arbeitszeit, müssen Sie laut Teilzeitgesetz Ihren Mitarbeiter für mindestens drei aufeinander folgende Stunden beschäftigen.

Vorsicht: Aus der Abrufarbeit kann unter Umständen ein Dauerarbeitsverhältnis entstehen! Rufen Sie Ihren Mitarbeiter über sechs Monate regelmäßig zur Arbeit ab, kann er darauf vertrauen, dass Sie ihn auch in Zukunft abrufen werden.

Ihr Ulf Weigelt