Cover des Buches

Darum geht es: Willkommen im Bewerbungsprozess. Stellenanzeigen lesen sich wie ein Anforderungsprofil an Superman oder sind wegen ihrer vielen Chiffren komplett unverständlich. Lebensläufe sollten geschliffen sein und auf keinen Fall Angaben enthalten, die auf dem Arbeitsmarkt von Nachteil sein könnte. Schafft man es ins Vorstellungsgespräch, stellen dort geschulte Personaler Fangfragen. Vielleicht gibt es gar keine guten Antworten darauf. Aber es werden ja auch keine Mitarbeiter gesucht, die meisten Firmen rekrutieren heutzutage High Potentials. 

Die Journalistin Françoise Hauser hat die Nase voll von der aufgestylten Karrieresprache, die aus Codes statt klaren Ausdrücken besteht. Mit Würden Sie für mich aus dem Fenster springen? hat sie einen ironischen Bewerbungsratgeber verfasst, der die schlimmsten Phrasen entlarvt. Für Hauser ist die Sprache in Bewerbungen ein Soziolekt – völlig affektiert, beschönigend und künstlich. In ihrem Buch will sie dem Leser in zehn Kapiteln die Fremdsprache Bewerberisch beibringen, damit dieser künftig Stellenanzeigen versteht, Anschreiben und Lebenslauf beschönigen kann und in Vorstellungsgesprächen die richtigen Antworten auf Fangfragen weiß.

Sprache und Verständlichkeit: Die Autorin hält sich mit Sarkasmus nicht zurück. Auf 173 Seiten übersetzt sie unverständliche Jobanzeigen und stellt Stilblüten aus der Bewerbersprache zusammen. Etwa die "umfassende Verantwortung", die von künftigen Mitarbeitern oft erwartet wird. "Das ist noch ein bisschen mehr als verantwortlich, nämlich richtig doll verantwortlich", schreibt Hauser. Die Kapitel werden durch Tabellen, Beispiele und Listen "praktischer Übersetzungshilfen" ergänzt. Das Büchlein enthält außerdem ein kleines, nicht ganz ernst gemeintes Glossar aus Personaler-Fachbegriffen von "Absolventenmesse" bis "Unternehmenskultur". Es gibt eine Reihe mit Beispiel-Bewerbungsbildern und die klassischen Absage-Formulierungen. 

Die besten Tipps: Niemals negative Aussagen treffen. Quasselstrippen sollten sich als "kundenorientiert und kommunikativ" beschreiben. Als Hobby besser nicht "Lesen" angeben, denn darunter verstehen Personaler: Ich bin entsetzlich langweilig und mir fällt nichts anderes ein. Und "angemessene Entlohnung" steht wie "leistungsgerechtes Gehalt" für miese Bezahlung.

Minuspunkte: Einige Witze hat man schon diverse Male gehört oder gelesen. Manche humorvoll gemeinte Ratschläge sind eher zum Fremdschämen, etwa der Hinweis für Bewerber über 50, nicht mit dem Rollator zum Vorstellungsgespräch zu gehen. Auch die gestellten Beispiel-Bewerbungsbilder sind eher überdreht statt witzig. Wer dieses Zuviel-an-Lustig verzeihen kann, hat aber Freude beim Schmökern.

Bewertung: Nach diversen Absagen muntert Würden Sie für mich aus dem Fenster springen? das angeschlagene Ego hoffentlich auf. Auch wer nicht gerade nach einer neuen Arbeitsstelle sucht, dürfte sich an Hausers Buch erfreuen. Zu viel Tiefgang sollte der Leser dabei aber nicht erwarten.