In jeder Großstadt gibt es sie, selbst Kleinstädte und Tankstellen versuchen sich am Konzept Coworking-Space, um der ständig wachsenden Gruppe der Selbständigen und Gründer ein Zuhause zum Arbeiten zu bieten. Sich mit anderen vernetzen und austauschen, Ressourcen wie Netzinfrastruktur, Drucker oder Kaffeemaschine teilen, ist für die einen eine kostengünstige Alternative, für andere ein inspirierenderes Arbeitsumfeld als die eigene Wohnung mit all ihren Zerstreuungen. Und so mauserten sich vielfach Bürogemeinschaften zu angesagten Orten – Seite an Seite mit Gleichgesinnten an der beruflichen Zukunft basteln, lautet das Credo. 

Einer der Pioniere ist das Betahaus in Berlin, das schnell auch Ableger in anderen Großstädten hatte. 2009 gegründet, eröffneten sie dieses Jahr in Hamburg einen weiteren Standort mit 1.400 Quadratmetern Fläche. Sogar bis nach Barcelona und Sofia haben die Betahaus-Macher ihre Idee bereits exportiert. Die Coworking-Szene boomt, nicht nur in Deutschland. Rund um den Globus haben sich viele Anbieter etabliert. 

In New York kamen etwa Adam Neumann und Miguel McKelvey 2010 auf die Idee, ihr erstes Coworking-Büro zu eröffnen und nannten es WeWork. Vier Jahre später bieten sie Arbeitsplätze in einem der 23 Büros in acht Städten weltweit an. Die meisten Räume finden die Mitglieder nach wie vor in New York City, dort gibt es bereits zwölf Adressen über die Stadt verteilt, demnächst kommt eine weitere in Brooklyn dazu. Auch in anderen US-Städten wie Los Angeles, Boston oder Washington sind sie vertreten. Als erster Standort in Europa findet sich London in der Liste und in Amsterdam gibt es bereits eine Adresse inklusive Warteliste mit interessierten Mietern.

Coworking-Spaces profitieren von den weltweit spürbaren Veränderungen am Arbeitsmarkt. Immer mehr Solo-Selbständige und Start-ups suchen die Nähe zu Gleichgesinnten. Viele passen nicht in die klassischen Gründerzentren, andere bevorzugen das kreative Umfeld eines Coworking-Büros. Auch in Deutschland stieg die Zahl der Selbständigen in den Freien Berufen wie Ärzte, Architekten oder Journalisten in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Das statistische Bundesamt zählte 2014 rund 1,27 Millionen Selbständige – so viel wie noch nie. Allein die Gruppe derjenigen, die in freien Kulturberufen arbeiten, ist mit rund 299.000 Personen deutlich größer als die der Ärzte mit nur rund 124.000 Menschen.

Die Macher von WeWork rückten den Vernetzungsgedanken schnell in den Mittelpunkt. Im Selbstverständnis des Unternehmens heißt das: "Wir stellen zwar Arbeitsräume zur Verfügung, bieten Events an und Vergünstigungen, doch unser wichtigstes Produkt ist die Community", sagt eine Sprecherin. Zwar profitieren Mitglieder beispielsweise von Rabatten für Krankenversicherungen und Reisen, doch das Netzwerk ist der eigentliche Mehrwert. Zugang zu diesem Club offeriert nur eine Mitgliedschaft. Die günstigste Variante kostet 45 Dollar im Monat, dafür gibt es einen einfachen Arbeitsplatz. Wer sich für ein separates Büro interessiert, zahlt deutlich mehr.

Konkurrenz für Karrierenetzwerke?

Über eine App buchen die Mitglieder ihren Arbeitsplatz und vernetzen sich damit auch untereinander. Regelmäßige Veranstaltungen wie Vorträge in den Räumen von WeWork helfen, Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Projekte zu initiieren. WeWork verbindet die Idee eines Karrierenetzwerks mit der des Coworking. Das Konzept fasziniert Freiberufler, Startups und Investoren offenbar gleichermaßen. Mehr als 16.000 zahlende Mitglieder gibt es bereits, im kommenden Jahr soll sich diese Zahl verdreifachen, so der Plan der Gründer. Experten schätzen, dass der Umsatz 2014 bei rund 150 Millionen Dollar liegt. Doch damit lassen sich keine 60 neuen Büros in den kommenden zwölf Monaten eröffnen, wie es dem Unternehmen vorschwebt. Deshalb sammelten sie in einer weiteren Finanzierungsrunde kürzlich zwischen 300 und 400 Millionen Dollar ein, wie Fortune kürzlich erfahren haben will. Den Wert des Unternehmens taxieren Experten schon heute auf 1,6 Milliarden Dollar. Ein WeWork-Manager bestritt kürzlich in einem Gespräch mit Wired, dass man internationalen Karrierenetzwerken wie LinkedIn Konkurrenz machen wolle. Ziel sei es, ein exklusives Netzwerk zu bleiben.

Den Schritt von der Onlinewelt eines Karrierenetzwerks in die reale Welt des Immobilienmarktes wagte Xing bereits im vergangenen Jahr. Die rund 830.000 zahlenden Premiumkunden können in Deutschland und der Schweiz stundenweise kostenlos Büroräume nutzen. Gemeinsam mit dem Anbieter Design-Office buchen die zahlenden Xing-Nutzer via App in einigen Großstädten wie Hamburg, München oder Berlin einen Arbeitsplatz mit kostenlosem WLAN. In der Schweiz funktioniert das Modell über eine Kooperation mit den Schweizer Bundesbahnen (SBB) als Business Point in einigen ausgewählten Bahnhöfen.

Noch richtet sich das Xing-Modell an mobil arbeitende Mitglieder, die in einer fremden Stadt vorübergehend den Service nutzen können. Wer ein Büro sucht,  kann direkt mit dem Kooperationspartner verhandeln. Xing hat durchaus den Trend Coworking erkannt, denn neben vielen karriereinteressierten Festangestellten nutzen auch immer mehr Freiberufler die Plattform, um Kontakte zu knüpfen und an Aufträge zu kommen. Das Unternehmen beobachte diese Entwicklung genau, wie ein Sprecher erklärt. Deshalb möchte Xing gemeinsam mit Partnern das Angebot an Büroflächen für seine Mitglieder weiter ausbauen. Interessant wird allerdings, wie sich der Markt entwickelt, wenn mit WeWork ein finanzkräftiges und risikofreudiges Unternehmen den europäischen Markt aufmischt.