Die Jury hat entschieden: Das Wort des Jahres 2009 ist "Abwrackprämie". Monatelang haben die Deutschen in diesem Jahr ihre alten Autos abgestoßen, Geld kassiert und Neuwagen gekauft. Der Ausdruck habe sich über die Maßnahme der Bundesregierung hinaus in der Gesellschaft verbreitet, erläuterte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ihre Wahl. Dieser Ausdruck sei seit Anfang des Jahres in der öffentlichen Diskussion präsent und verbreitete sich weit über die von der Bundesregierung beschlossene Maßnahme in zahlreichen Zusammenhängen.

Die Abwrackprämie sei von der Bevölkerung und der Werbung dankbar aufgegriffen worden, sagte der GfdS-Vorsitzende Prof. Rudolf Hoberg. Es habe auch Abwrackprämien für Möbel, Waschmaschinen oder Fahrräder gegeben. "Man macht etwas kaputt und bekommt noch Geld dafür" - darin liege der Reiz des Wortes. Früher seien Abwrackprämien nur auf Schiffe gezahlt worden. Dann habe die Opposition das Wort aufgegriffen und es spöttisch gegen den amtlichen Begriff "Umweltprämie" gesetzt.

Auf Platz zwei setzten die Sprachwissenschaftler die "kriegsähnlichen Zustände" in Afghanistan. Diesen Begriff sieht Hoberg allerdings kritisch. Der Ausdruck, verwendet unter anderem vom neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), verharmlose die Realität. "Natürlich führen wir dort Krieg", sagte der Sprachkritiker. Auf Platz drei steht die "Schweinegrippe".

Auch aktuelle Begriffe kamen unter die ersten zehn: Der gerade stattfindende "Weltklimagipfel" kam auf Platz fünf, das umstrittene "Wachstumsbeschleunigungsgesetz", welches gerade vom Bundesrat gebilligt wurde, auf Platz neun. Auch dies sei eine typische Beschönigung aus der Politikersprache und zudem ein typisches deutsches Bandwurmwort, sagte Hoberg. 2008 war "Finanzkrise" das Wort des Jahres gewesen.

Besonders freute sich der Linguist über einen kreativen grammatischen Schnitzer: "Deutschland ist Europameisterin" auf Platz sechs habe ein Sponsor den Erfolg der Frauennationalmannschaft im Fußball überschrieben. Platz zehn "Haste mal 'ne Milliarde?" ist für Hoberg ein ironischer Kommentar zur Finanzkrise, die neue Maßstäbe gesetzt habe: "Wir haben im letzten Jahr erstmals angefangen, in Milliarden zu denken. Millionen sind heute Peanuts."

Die Liste der Wörter des Jahres wird alljährlich von einer Jury der Sprachgesellschaft erstellt, die jeweils prägnante Begriffe aus den Medien sammelt. Ausgewählt wurden wie in der Vergangenheit Wörter und Ausdrücke, die die öffentliche Diskussion des Jahres besonders bestimmt haben, die für wichtige Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen. In diesem Jahr gingen etwa 350 Vorschläge von Sprachinteressierten ein. Der Jury gehörten der Hauptvorstand und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sprachgesellschaft an.