Die Washington Post hat bei der diesjährigen Verleihung vier Pulitzer-Preise abgeräumt. Die Zeitung gewann die begehrte Auszeichnung in den Kategorien Auslandsberichterstattung, Kommentare, Kritik und Magazin. Unter den preiswürdigen Artikeln waren eine Serie über das Leben im neuen Irak und ein erschütternder Feuilleton-Bericht über den Tod von Kindern, die von ihren Eltern im Auto vergessen wurden.

Nach Angaben der Internetseite des Pulitzer-Preises setzte sich die Post damit gegen ihren Erzrivalen, die New York Times durch. Die Zeitung heimste bei den Verleihungen an der Columbia Universität in New York drei Preise ein – in den Kategorien Inlandsberichterstattung, Hintergrundinformationen und Enthüllungsjournalismus. Im vergangenen Jahr waren es noch fünf Preise für die Times gewesen.

Auch das neu gegründete Nachrichtenportal ProPublica gewann einen Pulitzer-Preis. Der Journalist des Portals teilt sich den Preis für Investigative Berichterstattung mit dem New York Times Magazine für eine Geschichte über die schweren Entscheidungen von Krankenhausärzten in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Im vergangenen Jahr waren erstmals in der langen Geschichte des seit 1917 verliehenen Pulitzer-Preises auch reine Online-Medien zugelassen. Dieses Jahr gewann mit ProPublica nun erstmals ein Online-Medium einen Preis.

Den höchsten Pulitzer-Preis für herausragenden Dienst an der Öffentlichkeit errang die Zeitung The Herald Courier of Bristol im US-Bundesstaat Virginia. Sie hatte Schludereien bei der Verrechnung von Gasvorkommen auf Tausenden Privatgrundstücken aufgedeckt. Ihre Berichterstattung machte die Justiz auf die Unregelmäßigkeiten aufmerksam und zog inzwischen rechtliche Konsequenzen nach sich.

Das Sensationsblatt National Enquirer ging leer aus. Es hatte sich mit Enthüllungsgeschichten über eine Liebesaffäre des ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten John Edwards um die Auszeichnungen für Enthüllungsjournalismus und nationale Berichterstattung beworben.

Pulitzer-Preis für Debüt und Buch zur Wirtschaftskrise

Ein Debütroman und ein Buch über die Weltwirtschaftskrise von 1929 sind mit dem diesjährigen Pulitzer-Preis für Literatur ausgezeichnet worden. Das Buch Tinkers des Neulings Paul Harding sei eine "kraftvolle Feier auf das Leben", hieß es am Montag von der Jury des renommierten Preises in New York. Lords of Finance (Herren des Geldes) von Liaquat Ahamed verdeutliche umfassend, wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösen konnten. Beide Preise sind mit 10.000 Dollar dotiert (7300 Euro), ebenso wie die weiteren Preise in den Bereichen Biografie, Drama, Poesie, Sachbuch und Musik.

Tinkers spielt in Neuengland, dem geschichtsträchtigen, vornehmen, aber auch längst nicht mehr reichen Nordosten der USA. In dem Buch gehen ein Vater und sein Sohn "durch Leid und Freude, überschreiten dabei die eigene Gefangenheit ihres Lebens und zeigen neue Wege, um Welt und Moral wahrzunehmen", hieß es von der Jury. Es ist der Sohn, der als alter Mann im Sterben liegt und den Leser auf eine Reise zurück zu seinem Vater nimmt. Harding, Vater zweier Söhne, lebt selbst in Neuengland, am Rande der Metropole Boston. Er hatte bereits als Student in Iowa und an der ehrwürdigen Harvard-Universität geschrieben.

Liaquat Ahamed war 25 Jahre Investmentbanker und arbeitete unter anderem für die Weltbank, bevor er sich an die Porträts von vier Bankiers der zwanziger Jahre machte. Die vier, unter ihnen der "arrogante und brillante Hjalmar Schacht von der Reichsbank", hätten als Köpfe der Zentralbanken der USA, Großbritanniens, Frankreichs und eben Deutschlands die Geschichte des ganzen 20. Jahrhunderts geprägt. Gleichzeitig hätten sie die USA zur Führungsnation im weltweiten Finanzwesen gemacht. Auch im Bereich Biografie wurde ein Buch aus der Wirtschaftsgeschichte geehrt: T.J Stiles beschreibt in seinem Buch Der erste Tycoon das "monumentale Leben von Cornelius Vanderbilt". Der Eisenbahn-König starb 1877 in New York.

The Dead Hand war nach Meinung der Jury das beste Sachbuch. Darin erklärt David E. Hoffman die Mechanismen des Kalten Krieges, insbesondere ein von den Sowjets entwickeltes nukleares Vergeltungssystem mit dem Codenamen Kalte Hand. Zugleich zeigt Hoffman, wie die Atomwaffen der damaligen Supermächte und mittlerweile auch die anderer Staaten immer noch die Menschheit bedrohen. Der Lyrikpreis ging an Versed von Rae Armantrout, "ein Buch, bestechend durch seinen Witz und seine sprachliche Innovation".

Der Komponist Tom Kitt und der Texter Brian Yorkey wurden im Bereich Drama ausgezeichnet. Ihr Projekt Next to Normal sei ein "kraftvolles Rockmusical, das mit dem Thema Geisteskrankheit in einer Vorstadtfamilie die Grenzen des Musicals neu definiert". Das Stück war bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Der Pulitzer-Preis für Musik wurde Jennifer Higdon zuerkannt. Ihr Violin Concerto sei ein "sehr engagiertes Stück, dass fließende Lyrik und blendende Virtuosität" miteinander verbinde.