Drei Minuten lang hat sie gesungen, fast als letzte, ihr Lippenstift war rot, ihr Kleidchen schwarz, getanzt hat sie dazu auf ihren hohen Absätzen, Fehler hat sie nicht gemacht, geflirtet hat sie mit dem Publikum, den Kameras, die sich das gern gefallen ließen, und nach 23:25 Uhr hat sie dann abgeräumt.

Neun Mal zwölf Punkte, aus Finnland, Estland, Dänemark, Spanien, Slowakei, Schweden, Lettland, Norwegen, sogar aus der Schweiz. Elf Minuten nach Mitternacht steht fest: Lena Meyer-Landrut hat den 55. Eurovision Song Contest gewonnen.

Es wird daraufhin eine Menge Champagner in die Menge gesprüht, als sei ein Formel-1-Rennen zu Ende gegangen, und überall wird Love oh Love gesummt, immer wieder auch von Lena Meyer-Landrut, die ihren Song offenbar noch lange nicht satt hat.

Kurz nach ein Uhr nachts beginnt eine Pressekonferenz, auf der sie "Wahnsinn!" ruft und schon wieder mit den Kameras spielt: "Hallo, ich bin Lena. Ich bin 19, und ich komme aus Hannover. Und ich habe gerade den Eurovision Song Contest gewonnen." Was für ein Satz. Wie fühlt sie sich? "Plötzlich ist alles so groß", sagt sie. "Das ist ganz schön viel für den kleinen Lena-Kopf. Danke an alle! Ich muss weinen … ." Neben ihr sitzt Stefan Raab, ihr Mentor, der Erfinder ihres Erfolgs, Deutschlands Mann für Unterhaltung. "Ich bin schockiert", sagt er. "Ich auch", sagt Lena Meyer-Landrut.

Sie wird nach einem Freund gefragt, was sie nicht beantwortet, und nach ihren Zukunftsplänen. Dass Gewinnen schön sei, sagt sie, sehr schön sogar, aber eben nicht alles. "Das hier ist toll, aber es ist nicht das Leben." Es ist 1:30 Uhr. "Es ist nur ein Teil des Lebens. Aber wir freuen uns sehr, jetzt ist der Moment."

Ob jetzt eine multinationale Karriere komme oder doch Schauspielerei? "Jetzt feiern wir. Ich bin nicht so die Plänemacherin." Jemand fragt nach dem Abitur. "Abitur?", sagt sie. "Wieso stellen Sie mir jetzt eine Abiturfrage?"