Wenn das Geld fehlt, dann spart man als erstes bei der Kultur. Traditionshäuser wie das Schauspiel Wuppertal sind von der Schließung bedroht . Anderswo, wie in Gera, stehen ganze Sparten zur Disposition. "Die Haushaltslage hat sich radikal verschlechtert", klagt Karin Beier, Intendantin des Schauspiel Köln und auf dem soeben vergangenen Deutschen Theatertreffen in Berlin (TT) mit der Inszenierung Die Schmutzigen, Die Hässlichen und Die Gemeinen vertreten: "Es gibt keinen Spielraum mehr für Kürzungen."

Mitten in der Krise kommt es nun dazu, dass deutsche Theatermacher vermehrt darüber nachdenken, wie man zu neuen Formen der internationalen Kooperation und Vernetzung finden kann. So fordert der Ausstattungsleiter der längst international agierenden Berliner Schaubühne Jan Pappelbaum: "Das Stadttheater muss sich öffnen und internationale Kollaborationen müssen zur Regel der Theaterpraxis werden." Am Rande des TT konnte man hören: "Die Zusammenarbeit im Theater passt zu diesem post-migrantischen, post-nationalen Land: Deutschland."

Doch während einerseits das einzigartige deutsche Repertoire- und Ensemblesystem einen geschützten Raum für künstlerische Prozesse schafft, weiß der deutsch-polnische Theatermacher und ehemalige Frank Castorf-Assistent Wojtek Klemm: "Die Struktur verhindert, dass wir ins Gespräch kommen." Klemm, der selbst immer wieder an den systemimmanenten, sprachlichen und ästhetischen Grenzen der verschiedenen Theaterkulturen arbeitet, glaubt gar: "Theater auf internationaler Ebene funktioniert bislang ausschließlich über feindliche Gesinnung."

Im Zuge des TT hat Florian Simon das Achtung Transit für die Berliner Festspiele organisiert, ein Symposium, das über Vorträge, Diskussionen und vor allem Workshops internationale Kontakte stiften soll. Das TT sei durch die Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut, dem Auswärtigen Amt und dem hausinternen Internationalen Forum für junge Theatermacher (mit der eher theoretischen Fragestellung: "Wie kann das Theater Welt verhandeln?") bereits eh global vernetzt. Achtung Transit sei da der Versuch "auf der menschlichen Ebene miteinander zu sprechen, um zu kooperieren", sagt Simon.

Bei aller Vernetzung durch die Kommunikationswege des Internet: Am persönlichen Kontakt führt kein Weg vorbei. Zumindest dann nicht, wenn man es eben nicht mit den Gütern der Finanzmärkte, sondern mit künstlerischen Prozessen zu tun hat.

Dabei muss man in der internationalen Zusammenarbeit die Modalitäten der Globalisierung in ihr Gegenteil wenden: "Globalisierung im wirtschaftlichen Zusammenhang ist Gleichschaltung der Vertriebswege und des Managements", sagt Simon. "Im Kulturbereich geht es um mehr Vielfalt." Zwar wäre das Stadttheater per se lokal, es könne aber "einen internationalen Impuls immer gebrauchen". Beispielhaft nennt Simon den ungarischen Regisseur Victor Bodó, der mit einer Kooperation mit dem Schauspielhaus Graz zum TT eingeladen wurde.

Von der Zusammenarbeit erhofft man sich hierzulande zunächst einmal künstlerische Impulse. Zudem die gesteigerte Aufmerksamkeit des Publikums und der Presse sowie die Verfügbarkeit von Zweit- und Drittmitteln für internationale Prestigeprojekte. Denn billiger wird eine Produktion durch die Beteiligung zweier oder mehrerer Häuser erst mal nicht. Im Gegenteil: Alleine die Reisekosten verteuern die Zusammenarbeit um ein Vielfaches. Denn wie vor 20 Jahren liegt der Schwerpunkt von internationaler Theaterarbeit darauf, die Theatermacher und Schauspieler hin- und herzuschicken. "Es geht darum Spielformen und Ensembles zu mischen", sagt Karin Beier, die mit dem Hamburger Thalia Theater zusammenarbeitete, um die auf dem TT umjubelte Elfriede Jelinek Uraufführung Die Kontrakte des Kaufmanns zu ermöglichen.