Die Bilanz des ersten postumen Geschäftsjahrs des erfolgreichsten Popmusikers aller Zeiten ist äußerst beeindruckend. Gut 33 Millionen Alben wurden abgesetzt, die Einnahmen des Michael-Jackson-Trust aus Tonträgerverkäufen, Film- und Kinoverwertung, Songrechten und Toureinnahmen (ein beträchtlicher Teil der Tickets für die abgesagten 50 Konzerte in der Londoner O2 World wurden von den Käufern nicht zurückgegeben, sondern als Memorabilia behalten) betrugen nach Berechnungen des amerikanische Branchenmagazins Billboard mehr als eine Milliarde Dollar.

Damit ist Michael Jackson auch nach seinem Tod in kommerzieller Hinsicht die Nummer eins und hat den bisherigen Spitzenreiter Elvis Presley hinter sich gelassen. Und der musikalisch-industrielle Komplex arbeitet weiter auf Hochtouren. Im März wurde zwischen Jacksons Erben und seiner Plattenfirma Sony ein Vertrag mit achtjähriger Laufzeit unterzeichnet, der die Publikation von zehn Alben mit zum Teil unveröffentlichten Songs vorsieht und dafür Erlöse von mindestens 250 Millionen Dollar einkalkuliert.

Pünktlich zu Michael Jacksons erstem Todestag kommt die Vermarktungsmaschinerie wieder in Schwung. Die Fans werden zur Neverland-Ranch pilgern, sein Grab auf dem Friedhof in der kalifornischen 200.000-Einwohner-Stadt Glendale belagern. Sie können bei einer Auktion in Las Vegas Devotionalien aus dem unüberschaubaren Nachlass ersteigern oder sich an TV-Sondersendungen erfreuen. Ein Computerspiel, ein Musical und eine neue Platte werden in den kommenden Monaten erwartet.

Doch ob das Geschäft mit Michael Jackson auch in Zukunft so reibungslos laufen wird, ist keineswegs sicher. Womöglich ist nach dem ersten überwältigenden Ansturm auf alle Produkte, die auch nur entfernt mit ihm in Verbindung zu bringen waren, mittlerweile Sättigung erreicht. So avancierte This Is It, die aus den Probenaufnahmen zur gleichnamigen Konzertreihe entstandene Dokumentation, zwar zum erfolgreichsten Musikfilm aller Zeiten. Dennoch kursierten im Hype vor dem Kinostart ganz andere Summen als die weltweit 250 Millionen Dollar, die This Is It schließlich einspielte – und die sich etwa gegen die 2,7 Milliarden von Avatar recht bescheiden ausnehmen.

Der Post-mortem-Boom verdeckte gnädig die Tatsache, dass Michael Jackson in den Jahren vor seinem Tod zwar immer noch der bekannteste Popstar des Planeten war, die zuvor makellose Erfolgsbilanz aber ein paar Dellen aufwies. Sein letztes reguläres Album Invincible, im Herbst 2001 mit immensem Werbeaufwand auf den Markt gedrückt, war trotz zehn Millionen verkaufter Exemplare ein relativer Flop – zumindest nach dem Maßstab, den Jackson selbst mit seinem Jahrhundertalbum Thriller gesetzt hatte. Dass er dem Kanon unsterblicher Songs wie Billie Jean, Beat It oder Dirty Diana noch mal Gleichwertiges hinzufügen würde, haben wohl nur Berufsoptimisten erwartet.

Vor Jacksons Tod wurde spekuliert, ob er als Performer noch mal zu alter Form auflaufen könnte. Bei der Ankündigung der This Is It-Konzerte im Frühjahr 2009 deutete wenig darauf hin, dass er die Strapazen dieses Live-Marathons durchstehen könnte, wogegen die später entstandenen Aufnahmen der Proben wieder den eisern disziplinierten Hochleistungstänzer und Stimmakrobaten früherer Tage zeigten.