Frau Mozart war es furchtbar unangenehm. Ihr Mann, ja, einerseits war er ein genialer Musiker, andererseits ein fäkaler Schimpfer. Wenn beide Seiten kollidierten, entfuhr ihm bisweilen gar ein unflätiger Kanon: O leck mich doch geschwind, geschwind im Arsch. O leck, o leck, o leck ... Gott bewahre! Die hohe Kunst und die vulgäre Sprache dürfen nicht nebeneinander stehen, sagte sich Frau Mozart. Und so ließ sie allen verbalen Schmutz aus ihres Gatten Nachlass entfernen.

Heute sind wir froh, dass sich Mozarts rumpelnde, feixende, dreiste, fäkalverliebte Flüche nicht ganz haben ausradieren lassen. Schließlich verraten sie uns so viel über seinen Humor, seine geistige Unabhängigkeit, seine Kreativität.

Ja, so ist es: Wer gut fluchen kann, ist kreativ. Doch Obacht: Wer nicht fluchen darf, wird noch kreativer. In den USA befürchtet man eine unkontrollierte Vermehrung der Verbalinjurien. Jeden Tag würden neue Schimpfworte erfunden, beklagte jetzt ein amerikanisches Gericht. Und all das nur, weil Fluchen im dortigen Fernsehen bisher verboten war. Wer im Rundfunk oder auf der Kinoleinwand pöbelte, musste bis zu 325.000 Dollar Strafe zahlen. Damit ist jetzt Schluss. Die Beeps fahren zur Hölle, und die Fucks kehren zurück ins mediale Leben, haben sie doch das wahre Leben schon längst erobert.

Die Kunst ohnehin. Wir denken an Charles Bukowski, Rainald Goetz, Eminem, Klaus Kinski, Homer Simpson, Al Bundy  – große Schimpfbolde hat es immer gegeben. Auch im Sport: Wayne Rooney oder John McEnroe. Dysphemismen gegen den Schiedsrichter sind doch oft das Spannendste am Spiel.

Und was wären wir ohne Loriots Jodelschnepfe? Wie würden wir den ungeliebten Kollegen nennen, wenn nicht Krampfbolle? Wie empörten wir uns über all die Körperkläuse im Fitness-Studio? Wie zeigten wir dem Blasius auf der Bühne, dass sein Theater Moppelkotze ist? Nicht zuletzt: Welcher Kretin spielte die Arschgeige?

Schimpfen ist schön! Nun kommen also auch amerikanische Fernsehzuschauer wieder in den Genuss des gepflegten Malediktats. Da möchte man doch mit Lily Allen sagen: " Fuck you very much ". Und mit Mozarts Lieblingsgruß abschließen. Herzlichst, Ihr Süßmaier Scheißdreck.