Wird die Wehrpflicht tatsächlich abgeschafft, fällt auch der Zivildienst. Mit der Diskussion darum rückte das Freiwillige Soziale Jahr wieder in den Fokus der Politiker und Berichterstatter. Doch sich freiwillig engagieren kann man nicht nur im sozialen, sondern auch im kulturellen Bereich. Heute, am ersten September, beginnt wieder das Freiwillige Soziale Jahr Kultur (FSJK), wie es offiziell heißt.

Staatsoper Hannover © Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images

"Das Beste ist sicherlich, nicht nur zu sehen, was auf der Bühne passiert, sondern auch dahinter." Svenja Horn arbeitet während ihres FSJK an der Staatsoper in Hannover. Momentan müsse sie etwas in der Bibliothek zum Thema Tod recherchieren – „auch Lustiges, damit es unterhaltsam ist“ – denn sie erstellt das Begleitheft zum Liederabend "Wenn ich einmal tot bin ...". Noch schaue Svenja bei den Proben viel zu, weil sie erst ein paar Wochen hier sei, sagt Maike Kreilkamp, Dramaturgieassistentin an der Staatsoper und Betreuerin der zwei FSJKler. Doch Teilnehmer sollten auch möglichst eigene Projekte erstellen und "richtig eingebunden" sein.

Die Plätze für ein FSJK sind begrenzt, Bewerber gibt es viele für das Programm, das die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) 2001 ins Leben gerufen hat. 6800 16- bis 26-jährige Interessenten kommen hier auf nur 1100 Plätze bundesweit. Die allermeisten Teilnehmer sind weiblich, eine Tendenz, die jedoch mit Anerkennung des Wehrersatzes abnimmt, eben weil rund ein Viertel der Plätze Kriegsdienstverweigerern vorbehalten ist.

Mit Krieg und dessen schrecklichen Folgen muss sich Benjamin Weirich dennoch auseinandersetzen. Er sowie ein zweiter junger Mann verbringen ihr FSJK in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Benjamin wollte sich intensiver mit diesem Stück deutscher Geschichte und mit seiner Umgebung – er stammt ganz aus der Nähe – auseinandersetzen: "In der Schule lernt man darüber einiges, aber hier wird es detaillierter." Am meisten interessiert ihn, wie man das Wissen weitergibt. Dafür kommen Zeitzeugen nach Dachau wie der 82-jährige Abba Naor, der regelmäßig von Israel nach Deutschland reist, um seine Geschichte zu erzählen. Solche Menschen seien sehr offen, sagt Benjamin, der Umgang sei beinahe freundschaftlich. Nachdem er ein Jahr im Archiv, in der pädagogischen Abteilung und der Verwaltung gearbeitet hat, ist er heute ein Referent der Institution. Zwar reiche die Anstellung nur als Nebenverdienst, doch jetzt dürfe er ganz offiziell Besucher durch die Gedenkstätte führen.

Höchstens 300 Euro erhält man bei einem FSJK monatlich, einen Teil davon zahlt der Bund, den Rest die Länder. Wie hoch deren Beteiligung ist, schwankt von Land zu Land.

Die 20-jährige Annika Schäder aus Gotha bekommt 280 Euro im Monat. Sie ist damit und mit ihrer Arbeit beim Wartburgradio zufrieden. Sie empfinde gerade die Gespräche und die Zusammenarbeit mit den Radiomachern als spannend. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt im journalistischen Bereich. Sie unterstützt aber auch organisatorisch eine Aktion gegen Rechtsextremismus. "Vielfalt tut gut". Annika konnte mit dieser Tätigkeit viele ihrer Interessen abdecken. Die Auswertung ihrer Bewerbung hatte ihr eindeutig den Bereich Radio bescheinigt. In drei Redaktionen hatte sie sich daher schon beworben, bevor sie bei dem Sender in Eisenach genommen wurde. Letzten Endes entscheiden nämlich die Einsatzstellen, ob sie jemanden für ein Jahr beschäftigen oder nicht. Da kommt es dann auf die Qualifikation an.

Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass sich im FSJK kaum Real- oder Hauptschulabgänger finden. Ein Ziel des Vorsitzenden der BKJ Gerd Taube ist es daher, das zu ändern. Er sucht gezielt Einsatzstellen, die auch geringer Qualifizierte einstellen.