Wir suchen, Google findet. Millionenfach, Tag für Tag. Und schön daran ist nicht nur, dass es leidlich funktioniert, sondern dass alle Suchanfragen zusammengenommen eine hübsche Statistik abgeben, die Google ebenso akribisch sammelt wie alles andere auch – und zwar weltweit wie regional. ZEIT ONLINE fasst einige der häufigsten Suchbegriffe in den kommenden Wochen als kleine Geschichten zusammen.

Das erste, was einen nachdenklich stimmt, ist ein Wörtchen: free . Es ist eines der meist gesuchten Worte bei Google in Afghanistan. Klar, denkt man, das kann ja alles heißen. Free Internet. Free Porn. Free Books. Free Drinks. Es ist ja schließlich undenkbar, dass ein Bewohner Kabuls die Suchmaschine losschickt, um die Freiheit zu finden, die ihm in fast zehn Jahren Krieg abhanden gekommen ist.

Wobei: Wir trauen Google schon eine Menge zu. In Deutschland etwa rangiert seit Jahren das Wort Liebe unter den meist gesuchten Begriffen. Erwartet wirklich jemand, sie zu finden, wenn er die fünf Buchstaben in das schmale Feld eintippt? Google will eine Art Gottesauge sein, schimpfen die Leute im Moment, weil das Unternehmen seine Autos durch die Straßen schickt, um Häuser zu fotografieren. Im Alltag aber soll Google dann Dinge können, die wirklich höchstens ein Kaliber wie Gott kann, die Liebe herbeirufen zum Beispiel.

Man muss schon genauer sagen, was man will. Eine der meist gesuchten Personen im Netz ist im Moment Christian Lell , der ehemalige Bayern-Profi, der unlängst einen vagen Verdacht ausgesprochen hat. Michael Ballack, der verhinderte Kapitän der Nationalmannschaft, habe eine Affäre mit seiner Frau angefangen. Lell sagte es nicht, er machte Andeutungen. Nun fürchtet die Bild -Zeitung um Ballacks "guten Ruf". Lell, geboren in München und fußballerisch zeitweilig gestrandet in München, katapultierte sich damit in die deutsche Top 10 bei Google. Wer ihn ins Suchfeld tippt, hofft auf Schmutz: auf die ganze miese Betrugsstory. Wie Google doch überschätzt wird!

Die indischen Männer sind da in gewisser Weise schon weiter. Sie wissen genau, was Google kann und was nicht. Sie tippen ganz oft hot aunties in die Bildersuche: Heiße Tanten. Hierzulande denkt man bei heißen Tanten an Heinz-Rühmann-Filme, in denen schäumender Bohnenkaffee serviert und sich auf Wirtschaftswunderschenkel geklopft wird. Der Inder denkt an unglaublich heiße Frauen und Sex. Und Google liefert tatsächlich: ziemlich keusche Bilder von sich räkelnden Frauen in weißen Strapsen. Der Inder ist, was das Internet betrifft, ein Realist. Er sucht Tanten und findet Tanten.

Vielleicht täte auch Hans-Christian Ströbele ein wenig mehr Realismus gut. Er hat angekündigt, das Bild seines Hauses löschen zu lassen, wenn Google es mit dem Street-View-Wagen fotografiert. Das ist natürlich wieder so ein Missverständnis. Vielleicht träumt Ströbele wirklich davon, dass er auch einmal ganz oben landet in den Charts bei Google, und dann reicht nur ein Wort – Ströbele! – um alles über ihn zu erfahren: seine Gardinen, seinen Garten und die Farbe seines Fahrrads. Ach, Google.