Wir suchen, Google findet. Millionenfach, Tag für Tag. Und schön daran ist nicht nur, dass es leidlich funktioniert, sondern dass alle Suchanfragen zusammengenommen eine hübsche Statistik abgeben, die Google ebenso akribisch sammelt wie alles andere auch – und zwar weltweit wie regional. ZEIT ONLINE fasst einige der häufigsten Suchbegriffe in den kommenden Wochen als kleine Geschichten zusammen.

Die Google-Nutzer in den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen sehr belesen sein und vor allem die deutschen Klassiker schätzen. Schließlich halten sie es mit dem Dichterfürsten schlechthin: "Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!" – diese Mahnung von Johann Wolfgang von Goethe haben sie  verinnerlicht. Der am häufigsten gesuchte Begriff lautet: Dubai . Der Name schmückt eines der Emirate und die Stadt, die vor allem für spektakuläre Bauprojekte wie die World of Dubai bekannt ist. Dubai hat einfach die Welt vor seine Küste geholt – wenn auch im kleineren Maßstab – und als Luxus-Inseln nachgebaut. Nicht nur das Gute liegt vor der eigenen Haustür, sondern gleich die ganze Welt. Das hätte Goethe bestimmt beeindruckt.

Goethe allerdings war niemals dort. Was schade ist für ihn, aber auch für Dubai. Der Dichter kam nicht weiter als Italien. Gelesen wird er allerdings weniger in Rom oder Mailand. Für den deutschen Dichter interessiert man sich vor allem in Bozen und Trient , Regionen, in denen auch Deutsch gesprochen wird und die dem reisenden Schriftsteller sehr gefielen.

"Die aufgebundenen Zöpfe der Frauen, der Männer bloße Brust und leichte Jacken, die trefflichen Ochsen, die sie vom Markt nach Hause treiben, die beladenen Eselchen, alles bildet einen lebendigen, bewegten Heinrich Roos", schrieb Goethe. Er besuchte im September 1786 auf seiner Italienreise auch Trient und Bozen, blieb aber nur wenige Tage. Johann Heinrich Roos war einer der bedeutendsten Maler des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Zu Goethes Zeiten wusste jeder Leser, wer gemeint war. Gibt man Roos auf Googles Analyseseite Insights ein, erhält man die nüchterne Nachricht: "Das Suchvolumen ist zu gering, um Grafiken anzeigen zu können." Was in der schönen neuen Digitalwelt so viel heißt wie: fast vergessen.

Unvergessen scheint in Italien hingegen eine ausgestorbene Größe des Fußballplatzes zu sein: Dort sucht man immer noch nach Libero . Allerdings heißt Libero übersetzt schlicht "freier Mann" und schmückt die Titel eines Internetanbieters ebenso wie den Namen eines Automodells. Dass auch eine Zeitung so heißt, die ausgerechnet dem Medienmogul Berlusconi nahe steht, ist ironisch. Da "Libero" aber während der WM häufig eingegeben wurde, spricht einiges dafür, dass sich die Tifosi von Ragusa bis Bozen eine funktionierende Abwehr wünschen. Aber wo findet sich heutzutage noch ein solcher Spieler? In der Heimat Goethes, Roos’ und Beckenbauers jedenfalls nicht.

Dort zieht, wer ein freier Mann sein will, nach, jaja, Berlin . Nichts sucht Deutschland häufiger. Zumal in Kombination mit der Technischen und der Freien Universität. Das hätte Goethe sicherlich gefallen. Setzte er doch noch auf umfassende Bildung und beschäftigte sich mit Bergbau, Farblehre, Theater und – natürlich auch mit Literatur. Goethe hätte gegoogelt, das steht fest.

Am Puls der Zeit ist Goethe immer noch. Selbst bekannte Geheimagenten schwören auf den Dichter, der selbst als Geheimrat Furore machte: Warum in die Ferne schweifen, ist die Gute doch so nah, zitiert James Bond in Man lebt nur zweimal . 007 bestellte sich so eine japanische Masseuse. Und dieses nicht ganz fehlerfreie Zitat hätte Goethe dem alten Sean Connery doch verziehen. Denn der Dichter teilte schon seinerzeit der Welt mit: "Das Interesse an der menschlichen Gestalt hebt nun alles andre auf." Und es wäre geradezu indiskret, diesen Text jetzt nicht zu beenden.