Als wenn nichts geschehen wäre mit ihm, kein Krebs die Attacke auf ihn vorbereitet hätte, war er in die Arbeiten am Festivaldorf in Burkina Faso eingestiegen. Wir hatten so viel vor. An seinen Tod am vergangenen Samstag konnten wir alle nicht glauben. Schließlich hatte er selbst geschrieben: "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein".

Er hat für sein Projekt in Burkina Faso alles gegeben. Zuletzt hatten wir uns entschieden, neben dem Festivalort, neben der Musik- und Kunststätte auf dem schönen Hügel nicht nur eine Schule, sondern auch eine Ausbildungsstätte für Handwerker zu bauen.

Christoph Schlingensiefs Tod reißt nun eine große Lücke in all diese Pläne. Zum einen, weil sein Optimismus unübertroffen und überzeugend war. Zum anderen wollte Christoph Schlingensief nicht den Krieg oder Clash der Kulturen, sondern den Sieg der Kulturen und der Kunst über die Feindschaft, den Terror, die grässlichen Kriege. Er wollte Afrika in den Rang (zurück)heben, dem ihm im Konzert der Kontinente und Kulturen gebührt: Afrika als Bewahrerin der Natur in einer Welt, die die Industrieländer gerade zerstören.

Er war einer der wenigen, die nicht erwachsen werden wollten. Einer der sich den Charme bewahrt hatte, die Welt ohne den Erwachsenenernst zu sehen. Der sie formen wollte. Einer, der im Sinne des Evangeliums ein Kind geblieben war. Ein großer Junge.

Wir Grünhelme hoffen, dass er in Burkina Faso begraben wird, an der Stätte, wo wir etwas von dem in die Tat umsetzen wollen, was wir uns gemeinsam für das Festivaldorf erträumt hatten. Wir – das versprechen wir heute – werden es wahrmachen: ein Zentrum zur Ausbildung mehrerer Handwerksberufe.

Simone de Beauvoir schrieb zum Tod Ihrer Mutter, was auch ich angesichts Schlingensiefs Tod empfinde: "La mort est toujours un meurtre" – Der Tod ist immer auch ein Mord.

Wir haben ihn gemocht. Ich habe ihn sehr bewundert. Er wird uns fehlen.