Der Chef der Berliner Staatsoper, Jürgen Flimm, hat die Hamburger Kulturszene aufgefordert, zielgerichteter gegen die Sparpläne des Senats zu protestieren. "Es bringt nichts, nur zu sagen, die Politiker sind doof und Kultursenator (Reinhard) Stuth weiß nicht, wie man Goethe schreibt", sagte der ehemalige Intendant des Thalia Theaters bei einer Podiumsdiskussion zur neuen Ausrichtung der Kulturpolitik in der Hansestadt, zu der das Kulturforum geladen hatte. "Als alter Apo-Fuzzi sage ich Ihnen, dass man eine Strategie entwickeln muss. Wir wissen doch, wo der Gegner steht", sagte der 69-Jährige vor mehreren Hundert Zuhörern in der Kulturfabrik Kampnagel.

"Man trocknet unser Haus aus", sagte Florian Vogel, künstlerischer Leiter am Deutschen Schauspielhaus. Die geplanten Kürzungen von 1,2 Millionen Euro für Deutschlands größte Sprechbühne wären der Anfang vom Ende der künstlerischen Arbeit. "Es geht in Hamburg nicht mehr um Sparen, sondern um Zerstörung der Infrastruktur einer kulturellen Landschaft."

Die Sparbeschlüsse des schwarz-grünen Senats sehen neben den Einschnitten bei Schauspielhaus und Bücherhallen auch das Ende des 147 Jahre alten Altonaer Museums vor. "Wir erleben die totale Vernichtung eines Instituts. Was dort vernichtet wird, ist das Herz von Altona", sagte Museums-Direktor Torkild Hinrichsen. "Museen waren früher heilig. Sie hatten eine Aura, weil dort die Vergangenheit aufbewahrt wurde."

Durch die Schließung werde der Öffentlichkeit diktiert, woran sie sich zu erinnern habe und woran nicht: "Dieser geistige Eingriff ist das Allerschlimmste." Außerdem fördere der Schritt "ein bundesweites Museums-Massensterben nach Hamburger Modell".