"Wutbürger" ist das Wort des Jahres 2010. Diese Neubildung sei verwendet worden, "um einer Empörung in der Bevölkerung darüber Ausdruck zu geben, dass politische Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden", begründete die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden ihre Entscheidung. Das wichtigste Beispiel dafür war "Stuttgart 21" , das die Sprachexperten auf Platz zwei wählten.

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 teilte mit, dass es sich nicht mit dem Wort des Jahres identifiziere. "Das ist albern. Die Menschen, die gegen Stuttgart 21 demonstrieren, bestehen nicht nur aus Wut, sondern sie gehen für etwas, für die Alternative Kopfbahnhof 21, und für mehr Basisdemokratie auf die Straße", sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses, Gangolf Stocker.

Der Wutbürger ist eine Wortschöpfung des Spiegel -Autors Dirk Kurbjuweit , die er in einem Essay in dem Wochenmagazin vorstellte. Demnach sei der Wutbürger "konservativ, wohlhabend und nicht mehr jung (...) Er zeigt sich bei Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin und bei Demonstrationen gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21."

Heftige Debatten löste in diesem Jahr auch der frühere Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin mit seinem Buch Deutschland schafft sich ab aus. Dies gelte laut GfdS insbesondere für die umstrittenen Argumentationen zur angeblich genetischen Prägung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen. In diesem Zusammenhang war demnach teils ironisierend vom "Sarrazin-Gen" die Rede. Die Jury setzte diesen Begriff deshalb auf Rang drei.

Die Plätze vier und fünf nahmen die Bezeichnungen "Cyberkrieg" und "Wikileaks" ein. Die beiden Wörter spiegelten eine Debatte wider, "in der es um Informationsfreiheit einerseits und Informationskontrolle andererseits geht", erklärte die Jury. Auf Rang sechs kam das Verb "schottern", das sich auf Protestaktionen gegen die Castor-Transporte bezieht. Den siebten Platz nahm die von einem isländischen Vulkan ausgelöste "Aschewolke" ein, die im Frühjahr den Flugverkehr in Europa nahezu zum Erliegen gebracht hatte.

Auf Rang acht folgt "Vuvuzela", die durch die Fußball-WM in Südafrika bekannt gewordene Plastiktröte. Auf den neunten Platz wählte die Jury das Wort "Femitainment", das die Debatte zwischen der Feministin Alice Schwarzer und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) über die Frauenbewegung und Geschlechterrollen umreißt. Auf Rang zehn kam der "Eurorettungsschirm".

Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürte bereits zum 35. Mal die Wörter des Jahres. Ausgewählt werden laut GfdS Begriffe, "die die öffentliche Diskussion wesentlich bestimmt und dieses Jahr besonders geprägt haben." Für die Auswahl sei aber nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks entscheidend, "sondern vielmehr seine Signifikanz und Popularität", erklärte die GfdS. Im vergangenen Jahr war die "Abwrackprämie" zum Wort des Jahres gewählt worden.