Der Choreograf John Neumeier ist schockiert über Darren Aronofskys Ballett-Thriller Black Swan, der gerade in den deutschen Kinos angelaufen ist. "Die ganze Ballettwelt wird als eine Welt von Kranken dargestellt, in der monströse Menschen junge Mädchen ausnutzen, die natürlich alle magersüchtig sind. Das stimmt doch alles nicht", sagte der Intendant des Hamburg Ballett dem Hamburger Abendblatt.

Der Hollywoodfilm zeige eine Fantasiewelt, die ein Ballettklischee nach dem anderen bediene. "Wenn man eine fremde, unbekannte Welt wie das Ballett in dieser ungesunden, negativen Art zeigt, bleibt nur Schlechtes von dieser Kunst hängen", sagte der renommierte Choreograf.

In Black Swan spielt Natalie Portman eine besessene Balletttänzerin, die unter dem Leistungs- und Konkurrenzdruck in ihrer Compagnie zerbricht. Portman hat für ihre Darstellung bereits einen Golden Globe gewonnen und gilt als Anwärterin auf einen Oscar. Sie hat sich ein Jahr lang einem harten Balletttraining unterzogen und großes Lob für ihre tänzerischen Fähigkeiten geerntet. Neumeier hingegen sagt: "Sie spielt gut. Bis zu dem Moment, wo sie tanzen soll. Da genügt mir keine Großaufnahme mit wackelnden Armen."

Der Film tue so, als würde er Einblicke in die Welt des Balletts liefern – und zeige krankhaften Ehrgeiz. "Einem Sportler wirft man hingegen nie vor, wenn er Leistung bringen soll." Natürlich brauche Ballett Hingabe. "Aber was ist daran schlecht?", fragte Neumeier, "Leidenschaft und Engagement für eine Sache sind doch etwas Schönes." Auf die Frage, welche Bedeutung Hungern in diesem Beruf habe, antwortete er: "Magersucht ist eine Krankheit. Mit einer Krankheit ist diese Kunst nicht zu machen."