ZEIT ONLINE: Ihre Entwürfe sind für ihre ungewöhnlichen Formen bekannt. Eines ihrer Gebäude in Kopenhagen heißt sogar The Mountain .

Ingels:
Wir mögen die Idee, dass unsere Gebäude anders aussehen, weil sie anderes funktionieren. The Mountain kombiniert eine Parkstruktur und Apartmentgebäude zu einem Berg aus Terrassenhäusern. Jedes Apartment verfügt über einen eigenen Garten. Das Gebäude sieht aus wie ein Berg, nicht weil es einen Berg symbolisieren soll, sondern weil es wie ein Berg funktioniert. Die Skifabrik wiederum wird ganz anderes aussehen: Menschen wedeln das Dach herunter – und dann ist da noch die Sache mit dem Schornstein.

ZEIT ONLINE: Was hat es mit dem Schornstein auf sich?

Ingels: Er steht als Sinnbild für die Fabrik und das Problem der Verschmutzung. In unserem Entwurf befindet sich darin ein Aufzug, der die Menschen aufs Dach befördert. Die Spitze des Schornsteins verwandeln wir in eine große Scheibe, die das Dach eines Panorama-Restaurants bildet. In dieser Scheibe ist ein Hohlraum, der sich mit Rauch füllt. Dieser Rauch strömt in das Behältnis und spannt einen Kolben, bis der bei 200 Kilogramm CO2 seine maximale Kapazität erreicht und sich zusammenzieht. Dadurch entsteht ein riesiger Rauchring.

ZEIT ONLINE:  Das heißt, aus dem Schornstein steigen regelmäßige CO2-Rauchkringel auf?

Ingels: Genau. Der Rauchring ist das ultimative Zeichen von Hedonismus. Das Blasen von Ringen beim Rauchen vereint Sünde und Verspieltheit. Aber viel wichtiger ist: Er verwandelt etwa sehr Diffuses, Abstraktes in etwas Zähl- und Greifbares. In Zukunft kann ich dann  mal meinen Kindern erklären, dass fünf Rauchringe einer Tonne CO2 entsprechen.

Die Fragen stellte Nele Heinevetter