Der stark umstrittene italienische Kulturminister Sandro Bondi ist zurückgetreten. Die Regierung nahm am Mittwoch ein von Bondi bereits vor Wochen gestelltes Gesuch an. Der Kulturminister der konservativen Regierung Silvio Berlusconi war vor allem wegen gravierender Schäden in der antiken Ruinenstadt Pompeji Ende 2010 in die Kritik geraten. Auch wegen dramatischer Kürzungen im Kulturhaushalt war er angegriffen worden.

Im vergangenen Jahr weigerte er sich wegen eines Berlusconi-kritischen Dokumentarfilms, an der Eröffnung der Filmfestspiele in Cannes teilzunehmen. 2010 beschimpfte er den Regisseur Quentin Tarantino, den Jury-Vorsitzenden von Venedig, als Repräsentanten einer "snobistischen Kultur". Damit zog Bondi auch den Zorn Kulturschaffender aus aller Welt auf sich.

Sein Nachfolger ist der bisherige Landwirtschaftsminister Giancarlo Galan. Der 56-jährige Politiker aus Padua ist Berlusconi seit der Gründung von dessen erster Partei Forza Italia verbunden und führte von 1995 bis 2010 die norditalienische Region Venetien. Danach wurde er Minister in Rom.

In der kleinen Kabinettsumbildung wurde der sizilianische Parlamentarier Francesco Saverio Romano neuer Agrarminister. Der 47-Jährige ist seinerseits umstritten, weil gegen ihn wegen Mafiaverwicklungen ermittelt wird. Staatspräsident Giorgio Napolitano ernannte ihn trotz einiger Bedenken, weil Romano bisher nicht verurteilt worden ist.

Auf die seit Monaten andauernden Proteste der Kulturschaffenden gegen die Haushaltskürzungen reagierte die Regierung am Mittwoch mit einer Finanzspritze. Der Topf für Kunst, Kino und Kultur – Fondo Unico per lo Spettacolo (FUS) – werde insgesamt um 166 Millionen auf 428 Millionen Euro aufgestockt werden, teilte ein Regierungssprecher mit.

Ende 2010 war die antike Ruinenstadt Pompeji zum Symbol für die italienische Misswirtschaft im Bereich Kultur geworden. Im November stürzte nach schweren Regenfällen das knapp 2000 Jahre alte Gladiatorenhaus ein. Später erlitten auch andere Gebäude der archäologischen Stätte Schaden. Kulturminister Bondi hatte zunächst jede Verantwortung abgelehnt.

Pompeji wurde im Jahr 79 nach Christus durch einen Ausbruch des Vesuvs zerstört. Später wurde die Ruinenstadt zum beliebten Forschungsobjekt von Archäologen. Sie zieht jährlich mehrere Millionen Besucher an.