Paul Frick war noch in der Grundschule, als die erste Loveparade 1989 über den Berliner Kurfürstendamm tobte. Er wohnte gleich um die Ecke, und erlebte in den folgenden Jahren, wie das Fest immer mehr kunterbunt gekleidete Raver anzog. Logisch also, dass er jetzt selbst Techno produziert?

Eigentlich nicht, erzählt der 31-jährige Musiker. "Ich fand die Loveparade damals ziemlich freaky. Als Fest war es irgendwie witzig, aber ich habe die Musik nie ernst genommen." Frick war eher interessiert an "komplizierter, handgemachter Musik", und begann deswegen mit einem Kompositionsstudium bei Friedrich Goldmann an der Universität der Künste. "Ich musste erst mal acht Jahre Komposition studieren, um Techno zu mögen."

Der Techno, den seine Band Brandt Brauer Frick spielt, ist allerdings kein stumpfes Gehämmer. Auf dem vor einem halben Jahr veröffentlichten Album You Make Me Real wurden alle Klänge von echten Instrumenten erzeugt, ohne Hilfe von Rechnern oder Drumcomputern. Und mittlerweile ist das Trio sogar zu einem zehnköpfigen Ensemble angewachsen, das am Donnerstag im Berghain zum ersten Mal auftritt – mit einer völlig akustischen Show.

Die anderen beiden Kern-Mitglieder der Band sind Daniel Brandt, 26, und Jan Brauer, 25. Sie kennen sich schon seit der Mittelschule in Wiesbaden. Unter dem Namen Scott machten sie von Jazz beeinflussten Techno. Paul Frick, der Komponist der mittlerweile auch angefangen hatte, Housetracks zu schreiben, hörte sie übers Internet, war begeistert und schrieb ihnen eine Mail. 2008 begann die Zusammenarbeit, und seit zwei Wochen wohnen Brandt und Brauer nun auch in Berlin.

Frick: "Schon am Anfang haben wir gedacht: Wir probieren mal, was passiert, wenn wir Techno, moderne Klassik und Jazz mischen." Daniel Brandt ergänzt: "Das hätte ja auch viel experimenteller oder merkwürdiger werden können, aber das ist nicht passiert. Im Studio ist beim Jammen relativ intuitiv ein Sound entstanden, den man auch hören kann, wenn man keine Ahnung von moderner Musik hat."

Es hört sich in der Tat vor allem an wie Techno, aber der Sound ist geprägt von ungewöhnlichen Klangfarben. Zum Beispiel Basslinien, die nicht aus einem Roland-303, sondern aus einer Tuba kommen. Auch auf rhythmischer Ebene geschieht mehr, als in diesem Genre üblich ist. Dadurch klingt die Musik wie eine Brücke zwischen Minimal Techno und Minimal Music im Stil von Steve Reich und Philip Glass.

Diesen Sound hat das Trio seit dem Debüt noch weiterentwickelt. Das liegt vor allem daran, dass sie jetzt mit sieben anderen Musikern zusammenarbeiten. Diese sind meistens in der Berliner Neue-Musik-Szene aktiv, etwa im Ensemble Kaleidoskop oder im Ensemble Adapter. Brauer sagt: "Die erzeugen die Klänge manchmal total anders, als wir sie gemeint hatten, das ist cool." Und Brandt fügt hinzu: "Was ich interessant finde, ist, dass viele der klassischen Musiker, die dabei sind, nicht so groovemäßig orientiert sind. Die lesen die Noten und spielen die, aber Groove ist halt eine ganz andere Sache. Das muss man irgendwie zusammenbringen, damit die Groovefraktion und die Nicht-Groovefraktion eine Einheit werden."