Anfang des Jahres kam ein neuer Trend nach Deutschland: das Planking, eine Performance- Kunstform, in der es um Körperbeherrschung und Körperanspannung geht. Menschen legen sich steif wie ein Brett irgendwo hin und lassen sich fotografieren. Die Herausforderung besteht darin, den Körper an möglichst wenigen Punkten mit dem stabilisierenden Untergrund in Kontakt kommen zu lassen. Im Netz finden sich mittlerweile viele Bilder dazu. Traurig war jedoch der Tod eines Mannes im australischen Brisbane, der von einem Balkon stürzte.

Planking ist nicht der einzige neue Trend aus der Straßenszene. Ein anderer Spaß nennt sich Urban Mimics, eine Form der Performance-Art. Der Name leitet sich aus dem tierischen Mimikry ab – dem Versuch mancher Arten, die Oberfläche farblich nachzuahmen, auf der sie sich bewegen.

Fotografische Arbeiten zeigen, wie sich Menschen in die urbane Landschaft einfügen und sich als Teil von ihr inszenieren. Man sieht zum Beispiel eine junge Frau, die sich mit einem karierten Oberteil vor einer gefliesten Bahnhofswand ablichten lässt. Oder mehrere Jugendliche, die sich rotbraun anmalen und mit weißen Streifen schmücken, um sich auf einer Tartanbahn zu tarnen.

Die Herausforderung des Urban Mimics besteht darin, immer wieder neue Motive in der Stadtlandschaft zu finden, um mit ihnen zu verschmelzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es der ganze Körper, einzelne Körperteile oder auch nur der Schatten des eigenen Körpers ist, der sich in den Hintergrund einpasst.

Urban Mimics lässt sich in die Kategorie des Urban Hackings oder Culture Jammings einordnen. Alle diese Aktionen vereint ihre vermeintlich politische und gesellschaftskritische Aussage. Es geht darum, das Städtische subversiv zu verändern oder es zu durchdringen. Die Frage ist, ob sich auch hinter Urban Mimics eine tiefgründige politische Aussage verbirgt, oder ob es mehr eine Spielerei ist.

Aus meiner Sicht wäre es zu viel des Guten, dem Urban Mimics eine konkrete politische Wirkung zu unterstellen. Das Phänomen ist bisher vor allem im Netz und bei eingefleischten Fans bekannt. Vielleicht ist der Trend aber einfach noch zu jung, um sich als neues soziokulturelles Kunstphänomen zu etablieren.

Potenzial hat die Idee. Die Auseinandersetzung mit der Menschlichkeit im urbanen Raum, der voll gepackt ist mit Reklametafeln, Einkaufszentren und industriellen Konsumgütern und in dem das Natürliche oft verschwindet, ist eine künstlerische Antwort auf die Entwertung eben dieser Menschlichkeit.