Der Kulturwissenschaftler Friedrich Kittler ist tot. Kittler, der vor allem für seine Medientheorie Mitte der achtziger Jahre bekannt wurde, starb mit 68 Jahren in Berlin, wie das Deutsche Literaturarchiv Marbach mitteilte. Als Medientheoretiker hatte Kittler im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen greifbare Trägermedien wie das Buch oder den Mikrochip in den Vordergrund seiner Überlegungen gerückt.

Eines seiner Hauptwerke trägt entsprechend den Titel Grammophon. Film. Typewriter. Das Denken des Menschen bilde sich in Zeichen- und Aufschreibesystemen und damit in seiner technischen Umsetzung ab, lautet eine seiner Kernthesen. So sei auch der Mikrochip eines Computers eine Fortsetzung menschlicher Kulturtechnik. Die Schrift setze sich sogar auf den winzigen Schaltkreisen fort. Die Wissenschaft könne das Denken oder den Geist deshalb nicht allein als Gegenstand betrachten. Der Begriff "Technische Medien" steht damit im Zentrum der Denkschule Kittlers, die auch als "Berliner Schule" der Medientheorie gilt.

Später weitete der Wissenschaftler seine Überlegungen auch auf den Zusammenhang von Krieg und Medientechnik aus. Er beschrieb, wie Kriege entscheidende Impulse bei der Entwicklung neuer Medien brachten, zum Beispiel bei der Erfindung des Telegrafen während der Napoleonischen Kriege.

Der in Rochlitz (Sachsen) geborene Wissenschaftler studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie. Später war er Professor in Bochum, Berlin und New York. Großes Aufsehen gab es im Jahr 1984 um Kittlers Habilitation, die erst nach dem 13. Gutachten angenommen wurde. Unter dem Titel Aufschreibesysteme 1800/1900 wurde die Arbeit auch sein bekanntestes Werk.

Sein gesammeltes Schaffen hatte Kittler schon zu Lebzeiten dem Marbacher Archiv überlassen. Darunter befinden sich neben ungedruckten Manuskripten, Vorarbeiten zu veröffentlichten Werken und ausgewählten Exemplaren seiner Bibliothek auch Briefwechsel zwischen Kittler und befreundeten Wissenschaftlern wie Michel Foucault oder Jacques Derrida. Ausgewählte Stücke sind in der Dauerausstellung des Literaturmuseums der Moderne zu sehen.