Nach der Kritik an Erotik-Titeln im Angebot des katholischen Weltbild-Verlages will sich die Kirche so schnell wie möglich von dem Unternehmen trennen. Die Gesellschafter hätten beschlossen, dass "Maßnahmen für eine Veräußerung der Verlagsgruppe Weltbild GmbH ohne jeden Verzug entschlossen aufgenommen werden", teilte Weltbild mit.

Der Verlag mit rund 6.400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt mehr als 1,6 Milliarden Euro gehört zwölf katholischen Diözesen, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin. Er zählt zu den größten Buchhändlern Deutschlands und ist unter anderem am Verlag Droemer Knaur sowie Filialen der Buchkette Hugendubel beteiligt. "Kirchliche und soziale Implikationen einer Veräußerung verdienen eine besondere Beachtung", betonte Weltbild.

Der Augsburger Medienkonzern war im Oktober in die Kritik geraten, weil er im Internetangebot auch Erotik- und Esoterik-Literatur mit Titeln wie "Schlampen-Internat" oder "Anwaltshure" hatte. Auch Papst Benedikt XVI. äußerte sich Anfang November indirekt zur Debatte. Er mahnte, dass es an der Zeit sei, die "Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken".

Kardinal Meisner brachte Verkauf ins Spiel

Einen möglichen Verkauf des Weltbild-Verlages brachte schließlich der Kölner Kardinal Joachim Meisner ins Spiel. "Es geht nicht, dass wir in der Woche damit Geld verdienen, wogegen wir sonntags predigen", sagte er. Vor drei Jahren hatten die Bischöfe schon einmal einen Verkauf von Weltbild geplant. Dies scheiterte jedoch unter anderem an der Wirtschaftskrise.

Der Entschluss zum Verkauf fiel am Montagabend bei einer Tagung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg. "Es ist der Geschäftsführung nicht gelungen, die internetgestützte Verbreitung sowie Produktion von Medien, die den ideellen Zielen der Gesellschafter widersprechen, (...) hinreichend zu unterbinden", teilte die Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands mit. Darunter habe vor allem die Glaubwürdigkeit der Verlagsgruppe und ihrer Gesellschafter gelitten.

Die Geschäftsführung muss nun alle zwei Wochen über die "eingeleiteten und durchgeführten Maßnahmen zur Einhaltung der Unternehmensziele im Sinne der Satzung berichten". Darüber hinaus soll sie neben dem Aufsichtsratschef vierteljährlich einen mündlichen und schriftlichen Bericht zu Fortschritten beim Verkauf des Unternehmens abliefern. Außerdem wurden der bereits in der vergangenen Woche zurückgetretene Aufsichtsratschef Klaus Donaubauer und zwei weitere Mitglieder des Kontrollgremiums abberufen und ersetzt.