Das Goethe-Institut in Weimar hat drei internationale Kulturschaffende mit der Goethe-Medaille 2012 geehrt. Die Auszeichnungen gingen an den kasachischen Theaterregisseur Bolat Atabajew , die Literatur- und Theaterwissenschaftlerin Irena Veisaité aus Litauen sowie den bosnischen Autor Dževad Karahasan.

Die Preisträger "eint der Glaube an die Macht des Wortes" sowie ihre Toleranz und ihr Engagement für die Zivilgesellschaft, sagte Präsident Klaus-Dieter Lehman. Sie seien nach dem Ende der Sowjetunion durch die Umwandlung und Auflösung ihrer nationalstaatlichen Gefüge zutiefst geprägt worden.

Die Aufbruchstimmung sei zunächst deutlich bestimmt worden durch Intellektuelle, Kulturakteure und Künstler, die zunächst eine bemerkenswerte öffentliche Wirkung erzielten. Dies galt insbesondere für Mittel-, Ost und Südosteuropa , aber auch für die DDR und Zentralasien , sagte Lehmann. Das Mehr an Freiheit und menschlicher Würde und historischer Ehrlichkeit konnte jedoch nicht überall gefestigt werden. Auf dem Balkan brach ein neuer europäischer Krieg aus. "Und wieder wurde Sarajevo zum Symbol für Tod und Zerstörung wie schon 1914."

Der Preisträger Dževad Karahasan , 1953 geboren, habe in Romanen wie Der östliche Divan die Belagerung Sarajevos mit Zehntausenden Toten und Verletzten und die Tabuisierung der Vergangenheit beschrieben.

Irena Veisaitė , geboren 1928, komme aus einem Land, für das Vergangenheitsbewältigung und Traumata eine zentrale Rolle für ein neues nationales Selbstverständnis spielten, sagte Lehmann. Die litauische Jüdin, die die Vernichtung der Nazis überlebte, habe in ihren Büchern immer unbequeme Wahrheiten thematisiert und sich für die Aussöhnung mit Deutschland eingesetzt.

Der 60-Jährige Bolat Atabajew saß bis vor Kurzem wegen Unterstützung streikender Ölarbeiter in Haft . In seinen Theaterstücken greife er brennende soziale und politische Tabuthemen auf und setze sich für die Stärkung der Zivilgesellschaft in seinem Land ein. Die internationale Solidarität habe mitgeholfen, dass die Anklage wegen "Anstiftung zu sozialen Unruhen" gegen ihn fallen gelassen wurde.

Die Goethe-Gesellschaft sei besorgt um den syrischen Filmproduzenten und Festivalleiter Orwa Nyrabia, sagte Lehmann. Er werde seit Donnerstag vermisst, als er von Damaskus nach Kairo fliegen wollte. Nyrabia sei ein Vertreter des unabhängigen arabischen Films und Partner des Goethe-Instituts.

Die Goethe-Medaille wird seit 1955 an ausländische Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um den internationalen Kulturaustausch und die Förderung der deutschen Sprache im Ausland verdient gemacht haben. Seit 1992 wird sie in Weimar verliehen.