Die Empörung um eine israelfeindlich konnotierte Karikatur in der Süddeutschen Zeitung wird lauter. Am Nachmittag hat das American Jewish Committee Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht.

Am Dienstag hatte die linksliberale Tageszeitung unter dem Titel Der Niedergang des liberalen Zionismus einen Artikel von Heiko Flottau abgedruckt, der sich mit aktuellen Sachbüchern von Peter Beinart und Werner Sonne auseinandersetzte. Illustriert war der Text mit dem Bild eines spitzzähnigen, fetten Monsters, dem eine Kellnerin ein reichhaltiges Frühstück bringt. Dazu die Bildunterschrift: "Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde betrachten das Land als einen gefräßigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist."

Die Karikatur stammt von Ernst Kahl und war ursprünglich in der Zeitschrift Der Feinschmecker erschienen, ganz ohne jeglichen politischen oder religiösen Zusammenhang. Kahl reagierte entsetzt, als er erfuhr, dass sein Bild durch die Bildunterschrift inhaltlich entstellt worden war.

Auf Welt Online schrieb Henryk M. Broder dazu: "So weit wie die Süddeutsche Zeitung ist bis jetzt noch keine bürgerliche Zeitung in Deutschland gegangen. In dieser Karikatur tritt 'Israel' an die Stelle des 'Juden', die Süddeutsche Zeitung setzt dort an, wo der Stürmer 1945 aufhören musste."

Broder stellte auch einen Zusammenhang her mit den 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands Posten erschienenen Mohammed-Karikaturen. Damals jedoch habe die Süddeutsche Zeitung die Nachveröffentlichung der islamfeindlichen Bilder in ihrer Berichterstattung vermieden.

Die für die Seite der Süddeutschen verantwortliche Redakteurin Franziska Augstein äußerte sich am Dienstag zunächst abwiegelnd: "Nachdem das Bild aber zu Missverständnissen geführt hat, wäre es besser gewesen, ein anderes zu wählen. Denn es soll ja über den Artikel diskutiert werden, nicht über die Bebilderung." Am Mittwoch räumte die Münchner Redaktion ein: "Die Süddeutsche Zeitung bedauert, dass es zu solchen Missverständnissen kommen konnte. Die Veröffentlichung der Zeichnung in diesem Kontext war ein Fehler."

Doch so leicht scheint die Debatte nicht zu beenden zu sein. Das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles hat nun zum Protest "gegen diese antisemitische Darstellung" aufgerufen. Der Direktor des American Jewish Committee in Berlin, Deidre Berger, sagte: "Die Veröffentlichung dieser Karikatur ist eine schwere Verletzung des Pressekodex für ethische und ausgewogene Berichterstattung." Die Erklärung der Süddeutschen Zeitung nannte Berger "vollkommen unbefriedigend".