Die mexikanische Schriftstellerin Elena Poniatowska wird mit dem diesjährigen Cervantes-Preis ausgezeichnet. Die 81-jährige Autorin sei derzeit eine der kräftigsten Stimmen in der Literatur in spanischer Sprache, begründete der Madrider Kulturminister José Ignacio Wert die Entscheidung.  

Der seit 1976 jährlich vom Kulturministerium Spaniens verliehene Premio Cervantes gilt als der Literatur-Nobelpreis des spanischsprachigen Raums. Er ist mit 125.000 Euro dotiert und wird nach einem ungeschriebenen Gesetz abwechselnd an einen spanischen und einen lateinamerikanischen Schriftsteller vergeben. Die Auszeichnung ist benannt nach Miguel de Cervantes, dem Autor von Don Quijote . Im vergangenen Jahr hatte der spanische Dichter José Manuel Caballero Bonald den Preis erhalten.

Die in Paris geborene Poniatowska ist erst die vierte Frau, die mit dem Cervantes-Preis ausgezeichnet wird. Die Tochter eines aus Polen stammenden Franzosen und einer Mexikanerin war im Zweiten Weltkrieg mit neun Jahren nach Mexiko gekommen. Sie sprach damals kein Wort Spanisch. 1969 nahm sie die mexikanische Staatsbürgerschaft an.

Die Autorin hatte ihre Laufbahn 1953 als Journalistin bei der Zeitung Excelsior begonnen. Sie wurde in Mexiko zunächst vor allem mit dem 1970 erschienenen Bericht La noche de Tlatelolco (Die Nacht von Tlatelolco) über das Massaker bekannt, das Sicherheitskräfte 1968 an demonstrierenden Studenten verübt hatten und das offiziell totgeschwiegen worden war. Als erste Frau in Mexiko gewann sie 1978 den Nationalen Journalistenpreis.

Die Schriftstellerin engagierte sich stets für die sozial Benachteiligten und wird immer wieder als "das kritische Gewissen Mexikos" gerühmt. Mit ihrem Roman La piel del cielo (Die Haut des Himmels), mit dem sie ihrem verstorbenen Ehemann, dem mexikanischen Astronomen Guillermo Haro, ein literarisches Denkmal setzte, gewann sie 2001 den hoch dotierten spanischen Alfaguara-Literaturpreis.

Mehrerer ihrer Romane wurden ins Deutsche und in andere Sprachen übersetzt, darunter Jesusa – Ein Leben allem zum Trotz , Tinissima. Der Lebensroman der Tina Modotti und Frau des Windes