Der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt besitzt einem Medienbericht zufolge keine weiteren Unterlagen mehr zu dem in seiner Wohnung gehorteten Kunstschatz. "Ich habe alles der Staatsanwaltschaft übergeben", sagte Gurlitt der Süddeutschen Zeitung . Eine Redakteurin der Zeitung hatte Gurlitt, der jahrelang mehr als 1.400 Kunstwerke gelagert hatte, vor seiner Wohnung in München getroffen. "Ich bin auf dem Weg nach Würzburg, zum Arzt. Aber keine Sorge, ich komme bald zurück", sagte Gurlitt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung.

Lebenszeichen von Gurlitt waren seit dem Bekanntwerden der von ihm versteckten Kunstsammlung rar. In einem Brief an den Spiegel hatte er vor wenigen Tagen gebeten, seinen Namen nicht mehr in dem Magazin erscheinen zu lassen. Zudem wollten ihn Mitarbeiter der französischen Illustrierten Paris Match in einem Einkaufszentrum aufgespürt haben.

Experten gehen davon aus, dass sich unter den bei Gurlitt gefundenen Werken auch Nazi-Raubkunst befindet. Sie soll über Cornelius Gurlitts Vater Hildebrand in die Familie gekommen sein, der in der NS-Zeit eine zentrale Rolle auf dem Kunstmarkt hatte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Augsburg müssen rund 970 der gefundenen Werke von Experten überprüft werden. 380 galten unter den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" . Bei fast 600 Werken müsse überprüft werden, ob sie den rechtmäßigen Eigentümern von den Nationalsozialisten abgepresst oder entwendet wurden.

Die Behörden haben eine Liste mit 25 verdächtigen Werken "mit entsprechenden dringenden Verdachtsmomenten auf NS-verfolgungsbedingten Entziehungshintergrund" ins Internet gestellt. Darunter sind Bilder von Marc Chagall, Eugène Delacroix, Carl Spitzweg und Otto Dix.  

Jüdische Opfervertreter wollen Platz in Taskforce

Der deutsche Repräsentant der Jewish Claims Conference , die Entschädigungsansprüche jüdischer Opfer des Nationalsozialismus und Holocaust-Überlebender vertritt, hat einen Platz in der Taskforce gefordert, die im Auftrag von Bundesregierung und bayerischer Landesregierung die Herkunft der Werke in Gurlitts Sammlung erforschen soll. "Die Claims Conference vertritt seit mehr als sechs Jahrzehnten die Interessen der jüdischen NS-Verfolgten in allen Fragen der Entschädigung und Restitution", sagte Rüdiger Mahlo zu Spiegel Online . "Selbstredend gehört eine Vertretung der jüdischen Opfer in eine solche Kommission."

Mahlo kritisierte, dass der Fund bei Gurlitt erst mit einer Verzögerung bekannt gemacht wurde. "Es ist für mich als Vertreter der Opferseite nicht nachvollziehbar, warum der Fund nicht umgehend publiziert wurde", sagte Mahlo. "Wenn man die Werke nahezu zwei Jahre unter Verschluss hält, wird eine Rückführung an die ehemaligen jüdischen Eigentümer quasi unmöglich, denn das Durchschnittsalter eines Holocaustüberlebenden ist jetzt 85 Jahre. Das ist nicht fair."