Als Monty Python zur Mittagsstunde des 21. November in London ihre Wiedervereinigung bekannt gaben, herrschte nicht nur im Verbund der Five Eyes, also der großen englischsprachigen Länder, sondern in aller Welt eine Erregung, als sei die Aufhebung eines Naturgesetzes zu melden. Schließlich hatten die Mitglieder des Ensembles bis vor Kurzem darauf beharrt, man werde erst wieder gemeinsam auftreten, wenn Graham Chapman, das verstorbene Gründungsmitglied, wiederauferstanden sei. Im Internet wird jetzt diese Möglichkeit erörtert: Dass nämlich Chapman, an der Öffentlichkeit und sogar an der NSA vorbei, heimlich zurückgekommen ist. Bei der Pressekonferenz im Playhouse Theatre hat er zwar gefehlt, aber man hätte sich nicht gewundert, wenn er, Nnnnobody expects the Spanish Inquisition quäkend, die Bühne erklommen und den Konferenztisch umgeworfen hätte.

Es ist ein schlauer Schachzug, dass Monty Python ihren ersten Auftritt in der Londoner O2-Arena auf den 1. Juli des nächsten Jahres legen, denn zu diesem Zeitpunkt dürfte das andere Weltereignis des Sommers, die Fußball-WM, für die Engländer schon an Reiz verloren haben. Die englische Nationalmannschaft wird, so steht zu befürchten, bis dahin aus dem Wettbewerb ausgeschieden sein, und die nationale Bühne wird den fünf großen Männern vom 357er-Kartell gehören. 357, das ist die Zahl, die sich ergibt, wenn man die Lebensjahre der Ensemblemitglieder John Cleese (74), Terry Gilliam (er wird am 22. November 73), Michael Palin (70),  Terry Jones (71) und Eric Idle (70) addiert. Streng genommen: Nächsten Sommer wird es ein 360er- oder 361er-Klub sein.

Wenn legendäre Popgruppen nach Jahrzehnten der Trennung wieder zusammenkommen, hat das meist finanzielle Gründe: Yachten müssen neu gestrichen, Alimente bezahlt, Gespielinnen verwöhnt werden. Die Mitglieder von Monty Python haben stets versichert, dass es sich bei ihnen ebenso verhält. "Die Kuh, die wir jetzt melken", gab Eric Idle auf der Pressekonferenz selbstkritisch zu Protokoll, "ist seit Jahrzehnten tot".


Idle, der Mann, dessen Stimme ausschließlich aus triumphalen Quetschlauten besteht, hat also schon durchblicken lassen, was man zu sehen bekommen wird: The Greatest Hits. Werden sich die Komiker aber auch noch weiterentwickeln? Das ist kaum denkbar angesichts all der Schüler, Nachahmer, Jünger, die sich auf Monty Python berufen, von den Simpsons bis zu den Irren von Little Britain, von Jon Stewart bis zu deutschen Adepten wie Badesalz oder, jüngeres Beispiel, der verblüffend anarchischen Martina Hill. All diese Komiker und unzählige andere haben, mit mehr oder weniger kostbarer Tinte, die Geschichten Monty Pythons fortgeschrieben und neue Szenen auf das klassische Material getürmt. Das 357er-Kartell wird also vermutlich nichts Neues erfinden, aber es wird noch einmal das Fundament zum Leuchten bringen, auf dem alles ruht.

In England haben Kritiker Monty Python als die einflussreichste Popgruppe der siebziger und achtziger Jahre bezeichnet, und vielleicht stimmt das. Sie haben das Leben in so vielen Bereichen verbessert und zivilisiert. Sie haben das Niveau erhöht, auf dem in Europa – und selbst in Deutschland – gekalauert wird, sie haben den Hintersinn des modernen Tanzes gefördert (man müsste untersuchen, welchen Einfluss das "Ministerium für komische Gänge" auf die Choreographen von heute hat), sie haben dem Schlager Tiefe gegeben (Always look on the bright side of life), den Sandalenfilm revolutioniert (The Life of Brian) und sich mit kühnem Zugriff im europäischen Legendenschatz bedient (Die Ritter der Kokosnuss).

In New York, erzählte John Cleese jetzt auf der großen Pressekonferenz, war es bei ihren letzten Amerika-Auftritten merkwürdig still, und so habe er ins Publikum gespäht, um herauszufinden, was da los war. Es war so still, weil alle Zuschauer im Saal kollektiv den Text mitflüsterten. Ganz sicher wird das im nächsten Juli in London ebenso sein.