Thomas Oberender, seit 2012 Intendant der Berliner Festspiele, ist unzufrieden mit der Verteilung von Kulturetats in Deutschland. Im Interview mit der ZEIT hat er sich für eine radikale Umstrukturierung des Förderungskonzeptes für kulturelle Einrichtungen durch den Bund ausgesprochen: "Er sollte sich landesweit am Erhalt der dezentralen Kulturlandschaft beteiligen, sowohl im Sinne des Bestandsschutzes als auch durch Entwicklungsimpulse", sagte Oberender der ZEIT.

Die Finanzierung kommunaler Institutionen solle anteilig übernommen werden: "Den einen Teil des Etats für Kultureinrichtungen gibt dann weiterhin die Kommune. Einen anderen der Bund." Die Zuschüsse des Bundes wären allerdings projektbezogen und würden die konstante projektunabhängige Förderung der Häuser teilweise ersetzen. 

Auf die Frage, ob er eine Umverteilung fordere, weg von den Stadttheatern mit festen Ensembles hin zu Projekten und Ensembles, die tourten und sich aus mehreren Quellen finanzierten, antwortete der Festspielintendant: "Das betrifft nicht nur das Theater, aber ja, dieses evaluierbare Projektgeld könnte ein Teil des Budgets sein, das den Häusern durch den Bund konstant zur Verfügung steht."

Nur durch einen solchen Paradigmenwechsel könne das System als Ganzes erhalten werden: "Unsere Aufgabe ist es, an Künstlerbedürfnissen orientierte Strukturen zu schaffen, die nicht in die Prekarisierung und Ausbeutung führen. Weniger Geld ist keine Lösung mehr. Wir brauchen kulturpolitischen Mut. Viele kleine Theater haben die Souffleusen abgeschafft, dort sitzen abends die Regieassistenten im Kasten und machen das auch noch mit, wie am Off-Off-Broadway. An manchen Landesbühnen schleppen die Schauspieler die Kulissen, schminken sich selbst und laden die Lkw ein und aus", sagt Oberender. Angesichts dieser Lage müsse darum gekämpft werden, dass der Anteil der Kultur am Bundeshaushalt von bisher 0,4 Prozent "mindestens auf 1,9 Prozent steigt".

Das vollständige Interview finden Sie von Donnerstag an in der aktuellen Ausgabe der ZEIT.