Sterneköche im Fernsehen sind meistens Einsterneköche. Die Zwei- und Dreisterneköche haben keine Zeit für Auftritte in der Flimmerkiste, weil sie in der Küche stehen. Und das Abend für Abend, denn jederzeit könnte ein Michelin-Tester einen Stern abkassieren. Da ist Anwesenheit Pflicht.

Nelson Müller hat einen Michelin-Stern und kocht – außer im Fernsehen – in Essen. In einer Stadt mit diesem Namen müsste es mehr Spitzengastronomie geben, doch Müllers Restaurant Schote – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – ist der einzige Ort, der Essen in Essen zu einem Erlebnis  macht.

Nelson Müller ist ein Fernsehkoch der neuen Art: frech, schlagfertig, zugewandt. Ein Brater und Berater: Bei Lanz ist er der Lauteste, als Party-Profi hilft er Küchenversagern beim Krachenlassen. Er liebt die Kamera und die Kamera liebt ihn. Er hat Rhythmus, Seele und Herz. Und er ist nicht nur das Beste, was Essen, sondern auch das Beste, was der deutschen Fernsehküche nach Tim Mälzer und Kolja Kleeberg passieren konnte. Nelson Müller mag man sofort. Er hat dieses Piloten-Charisma, die Ausstrahlung von Menschen, die in der Sekunde das Richtige machen, die man aber eben besser nicht nach Lösungen der Ukraine-Krise fragt. Oder nach ihrer Meinung über Stücke von Schnitzler und Brecht.

Wallraff auf der Spur

Gleich zu Beginn von McDonald’ gegen Burger King. Das große Duell gesteht Nelson Müller, dass auch er manchmal einen Burger in einer dieser Fast-Food-Läden verzehrt. Das mache ich auch. Und ich verteidige das immer mit der gleichen Floskel: "Da weiß ich wenigstens, woran ich bin." Müller denkt sicher genauso. Und deshalb ist er auch genau der Richtige, um seinen  – nicht sonderlich illustren – Gästen an diesem Abend die frittierten Erzeugnisse der beiden Ketten zum Test vorzusetzen.

Das große Duell also. Wie ist es ausgegangen? Was für eine blöde Frage: McDonald’s hat gewonnen! 5 : 3. Wäre dies ein Fußballmatch, so könnte man anhand des Resultats vermuten, dass es ein spannendes Match gewesen ist. Beim Aufeinandertreffen der beiden größten Fastfood-Ketten hingegen konnte es kein anderes Ergebnis geben. Hätte Burger King gewonnen, wäre das ein Skandal gewesen, denn Burger King ist böse.

Grund dafür sind die Recherchen von Günter Wallraff, der seine Reporter für einen anderen Sender und ein anderes Format in die Küchen von Burger King einschleuste und einen Skandalreport drehen ließ, der die Machenschaften bei einem der größten Franchisenehmer offen legte. Investigativer Journalismus, der diesen Namen verdient.

Wallraffs Recherchen geschahen just zu jener Zeit, als das ZDF mit Nelson Müller Das große Duell in Arbeit hatte. Und man kann gut erkennen, was die Qualität eines öffentlich-rechtlichen Senders ausmacht: das professionelle Einverleiben aktueller Geschehnisse.