Der Journalist und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, ist tot. Das bestätigte der Verlag der Tageszeitung gegenüber ZEIT ONLINE. Er wurde 54 Jahre alt.

Schirrmacher gehörte zu den renommiertesten Journalisten Deutschlands. Seit 1985 arbeitete er im Feuilleton der FAZ und war seit 1994 Mitherausgeber. Er galt als leidenschaftlicher Zeitungsmacher.

1959 als Sohn eines Beamten in Wiesbaden geboren, hospitierte Schirrmacher nach seiner Dissertation über Franz Kafka 1984 bei der FAZ, der er bis zu seinem Tod treu blieb. Die Leitung der FAZ-Redaktion Literatur und literarisches Leben übernahm Schirrmacher 1989 als Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki, mit dem er eng befreundet war. Als Herausgeber war er für Feuilleton und Wissenschaft verantwortlich.

Die FAZ würdigte Schirrmachers Verdienste auf ihrer Internetseite: "Sein analytischer Blick erfasste das Wesentliche im Wandel, seine Fähigkeit zur pointierten Darstellung komplexer Sachverhalte machte ihn zu einem führenden Intellektuellen unserer Zeit. Indem er das Feuilleton zu einem Forum der Zeitdiagnose ausbaute, war er ein Aufklärer in der besten Tradition des Wortes." Sein Mitherausgeber Berthold Kohler sprach von einem "entsetzlichen Verlust für die Frankfurter Allgemeine Zeitung". Schirrmacher habe im Herausgeberkreis mit seinen Ideen und seiner Energie immer wieder Impulse für die Entwicklung der Zeitung gegeben.

Schirrmacher prägte als Publizist wiederholt wichtige Debatten der deutschen Öffentlichkeit. Dabei war er stets streitbar, neugierig und offen auch für Gegenargumente. Durch seine pointierten und oft warnenden Standpunkte und Texte rief er immer wieder auch sehr heftige Reaktionen hervor. So etwa 2002 ein offener Brief in der FAZ, in dem er als Herausgeber den Vorabdruck von Martin Walsers neuem satirischen Roman Tod eines Kritikers ablehnte und dies damit begründete, das Buch sei eine "Exekution", eine Abrechnung mit Marcel Reich-Ranicki, die auch vor "antisemitischen Klischees" nicht zurückschrecke.

Gesellschaftliche Probleme früh erkannt

Bekannt wurde Schirrmacher auch als Autor von gesellschaftspolitisch bedeutsamen Büchern wie Das Methusalem-Komplott, in dem er sich bereits vor zehn Jahren mit dem Problem der Überalterung auseinandersetzte. Über den Wert sozialer Beziehungen schrieb er 2006 in Minimum: Die Gesellschaft sei nicht auf die Auflösung des privaten Versorgungsnetzes aus Freundschaft und Familie vorbereitet. 

"Frankfurter Allgemeine Zeitung" - Frank Schirrmacher ist tot

Immer wieder und zuletzt besonders intensiv beschäftige er sich mit dem digitalen Wandel und den Konsequenzen für unser Zusammenleben. Kritisch setzte er sich etwa in Payback damit auseinander – und zeichnete ein trübes Bild der digitalen Gegenwart. Es gebe einen Zwang, sich ständig informieren zu müssen, so Schirrmacher. In Debattenbeiträgen und Artikeln danach wurde sein Blick auf das Internet etwas wohlwollender, aber vor allem die Bedrohung der Privatsphäre thematisierte der Journalist immer wieder.

In seinem zuletzt erschienen Buch Ego geht es darum, dass ein Fließband-Egoismus das gesamte Sozialwesen erobert habe. Der reale Mensch mit seinen Schwächen und moralischen Ansprüchen werde allmählich zum Systemfehler.