Das Berliner Maxim Gorki Theater unter der Leitung von Shermin Langhoff und Jens Hillje ist zum Theater des Jahres gewählt worden. Zum ersten Mal landete die Berliner Bühne auf Platz 1 der Bestenliste, die von Theaterkritikern erstellt wird. An der Umfrage der Zeitschrift Theater heute nahmen 44 deutschsprachige Theaterkritiker teil. Mit ihrem Voting wurde die neue Intendanz gleich für ihre erste Spielzeit an dem Haus ausgezeichnet. 

Das Gorki Theater war im November 2013 mit der neuen Intendanz gestartet. Die Inszenierungen, die sich oft mit Themen wie Herkunft, Migration und Stadtkultur beschäftigen, wurden von den Kritikern nicht immer gelobt, aber stets heiß diskutiert – wie etwa Nurkan Erpulats Eröffnungsinszenierung Der Kirschgarten. Erpulat verlegt den Tschechowschen Konflikt um ein Grundstück ins gegenwärtige Berlin, wo sich Einheimische und Migranten der zweiten Generation gegenüberstehen. Die Schauspieler berichten dabei auch von eigenen Erfahrungen.

Schauspielerin des Jahres ist Bibiana Beglau vom Residenztheater München. Die 43-Jährige wurde für ihre Rolle als Bardamu in Frank Castorfs Inszenierung von Louis-Ferdinand Célines Reise ans Ende der Nacht ausgewählt, die auch schon beim Berliner Theatertreffen zu sehen war.  

Zum Schauspieler des Jahres wurde Peter Kurth vom Schauspiel Stuttgart gewählt. Der 57-Jährige erhielt die Auszeichnung für die Titelrolle in Robert Borgmanns Tschechow-Inszenierung Onkel Wanja. Kurth spielt darin einen unsympathischen, triebgesteuerten Wanja, der an sich und der Welt verzweifelt.

Inszenierung des Jahres in Zürich

Das Gorki-Theater gewann auch in anderen Kategorien: Zum besten Stück des Jahres wurde Sibylle Bergs am Gorki Theater uraufgeführtes Werk Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen gewählt. Mit Dimitrij Schaad kommt auch der Nachwuchsschauspieler des Jahres vom Gorki Theater. Beste Nachwuchsschauspielerin wurde Katharina Knap als Sonja in der Stuttgarter Onkel-Wanja-Inszenierung.

Zur Inszenierung des Jahres wurde Karin Henkels Kleist-Interpretation Amphitryon und sein Doppelgänger vom Schauspielhaus Zürich gekürt. Das beste Bühnenbild stammt von dem Serben Aleksandar Denić, der die Räume für Castorfs Reise ans Ende der Nacht schuf.

Zur besten Kostümbildnerin wurde wie bereits im vergangenen Jahr Victoria Behr gekürt, die die Schauspieler in Herbert Fritschs Werk Ohne Titel Nr. 1 an der Berliner Volksbühne einkleidete. Als bester ausländischer Autor wurde der Brite Martin Crimp für Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino am Deutschen Schauspielhaus Hamburg geehrt.

Zum "größten Ärgernis des Jahres" wählten die Kritiker Matthias Hartmann und das Finanzdebakel am Wiener Burgtheater.