Nichts ist beruhigender als ein Innenminister, der Ruhe bewahrt, sein Innerstes ganz im buddhistischen Sinne in Harmonie hält und trotzdem tut, was ein Innenminister tun muss. Nämlich für den deutschen Dreiklang sorgen, Sauberkeit, Ordnung, Sicherheit, kurz: SOS.

Als am Wochenende 4.000 rechtsextreme Männer, vornehmlich Pöbler und Schläger, in der Kölner Innenstadt Polizisten vermöbelnd randalierten, war die Empörung groß. Die Behörden waren fälschlicherweise von einer pazifistischen Ökoschlappen-Veranstaltung ausgegangen, nämlich von Hooligans, die gegen Salafisten demonstrieren.

Bilanz des Spektakels: 49 verletzte Polizisten. Und eine verängstigte Kölner Bevölkerung, von denen manche, wie der Deutschlandfunk zitierte, "ein solches Ausmaß an Gewalt noch nie erlebt hätten". Wann hat es so etwas das letzte Mal in Deutschland gegeben? 49 verletzte Polizisten? Ist klar, dass man da zügig handeln muss. Verletzte Polizisten sind in Deutschland immer noch Chefsache. Thomas de Maizière, Innenminister und CDU-Mitglied, gab dazu ein Fernsehinterview.

In dem Gespräch mit Thomas Roth von den Tagesthemen sprach der Minister nicht von dem Konglomerat aus NPD, rechten Hooligans, Skinheads oder der Partei "Die Rechte" und er sprach auch nicht  über ihre Parolen "Ausländer raus" und "Frei, Sozial und National", sondern er degradierte die Veranstaltung zu einer "Massenschlägerei mit Alkohol". Die rhetorische Deeskalation ist ja, neben Tofu essen und Stechmücken retten, anstatt sie totzuschlagen, ein wesentliches Merkmal des Buddhismus.

Massenschlägerei mit Alkohol kennt jeder Niedersachse oder Bayer aus seiner Schulzeit. Man rauft und rangelt halt vor dem Wirtshaus, weil man zuviel getrunken hat. Wenn Rechtsradikale, die sich zu Tausenden versammeln, keine politische Veranstaltung sind, was sind dann Kundgebungen von Salafisten? Sit-ins mit Bart und Alkoholabstinenzhintergrund?

Nichtsdestotrotz kann ein Innenminister in einem Interview nicht mit leeren Händen, rasiertem Schädel und orangefarbenem Gewand dastehen. Also fordert er, angesichts von "mehreren Festnahmen", dass die

Staatsanwaltschaften schnell anklagen, die Gerichte schnell entscheiden, damit von vorneherein klar ist: dass wir das nicht dulden!

Das Interview wurde am Montagabend geführt. Die Forderung nach zügigem Handeln ist ein beliebtes Instrument, um Verantwortung von sich auf andere zu delegieren und vor allem Zeit zu gewinnen. Apropos Zeit. Zum Zeitpunkt des Interviews waren die Festnahmen bereits Vergangenheit. Es befand sich kein einziger der wenigen Festgenommen mehr in Polizeigewahrsam.

Vielleicht hatten die Staatsanwaltschaften und Gerichte besonders schnell angeklagt und entschieden, dass es sich bei den Festgenommenen um unbescholtene Bürger handelt. Wo aber befinden sich die Täter, die 49 Polizisten verletzten? Und was ist mit all jenen, die Hitlergruß zeigend durch die Innenstadt liefen?

Hat Thomas de Maizière sich vor dem Interview überhaupt bei der Polizei und Staatsanwaltschaft erkundigt? Dann hätte er doch wissen müssen, dass im Prinzip nichts weiter geschehen ist. Der Innenminister sagte: "Diese Dimension war auch für mich sehr überraschend." Allerdings sagte er in der ersten Hälfte desselben Gespräches, dass sich die Hooligans "in genau der Weise jedes Wochenende irgendwo im Land zeigen". In genau der Weise? Jedes Wochenende?

Nach diesem Interview bleibt nur zu sagen: Unser Innenminister hat eine bemerkenswerte innere Ruhe gefunden. Ein Fall für die Klangschale. Schon Buddha bemerkte: Wer die innere Ruhe gefunden hat, der greift nach nichts und der verwirft auch nichts.