Das Kunstmuseum Bern will den Nachlass des Sammlers Cornelius Gurlitt annehmen. Das teilten Vertreter des Museums, der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Bayern in Berlin mit. Gurlitt hatte in seinem Testament das Museum als Alleinerben für die Kunstsammlung und für sein Vermögen eingesetzt.

Der Anfang Mai gestorbene Gurlitt hatte die umstrittene Sammlung von seinem Vater Hildebrand, einem NS-Kunsthändler, vermacht bekommen. Sie umfasst mehr als 1.500 Bilder, darunter wertvolle Werke etwa von Matisse, Picasso, Renoir und Monet. Bei Hunderten Werken ist nicht auszuschließen, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt.  

Der Stiftungsratspräsident des Museums, Christoph Schäublin, sagte, das Museum habe sich auf eine weitreichende Vereinbarung mit Bayern und dem Bund verständigt. Danach werden Bilder, die unter NS-Raubkunstverdacht stehen, zunächst in Deutschland bleiben. Die für den Fall Gurlitt gegründete Taskforce Schwabinger Kunstfund soll deren Herkunft weiter klären. Zudem verpflichte sich Deutschland, die Kosten für die Rückgabe von Bildern zu übernehmen.

"Über die Schwelle des Kunstmuseums Bern kommen generell keine Werke, die sich als Raubkunst erweisen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit als Raubkunst einzustufen sind", sagte Schäublin.

Cornelius Gurlitt hatte sich vor seinem Tod bereit erklärt, die Provenienz seiner Bilder feststellen zu lassen und Werke gegebenenfalls an die rechtmäßigen Erben, oft Nachkommen jüdischer Kunsthändler, zurückzugeben.

Anspruch der Cousine

Unabhängig von der mühsam ausgehandelten Vereinbarung hatte die 86 Jahre alte Gurlitt-Cousine Uta Werner in der vergangenen Woche überraschend Anspruch auf das Erbe erhoben. Sie reichte beim Amtsgericht München einen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins ein. Grund dafür war ein Gutachten, das den Geisteszustand und damit die Testierfähigkeit von Cornelius Gurlitt anzweifelt. Demnach soll der Sammler bei der Abfassung seines Testaments unter "paranoiden Wahnideen" gelitten haben. Uta und ihr Bruder Dietrich wären die gesetzlichen Erben gewesen.

Dietrich Gurlitt schloss sich dem Antrag aber nicht an. Er plädierte dafür, den Willen des Cousins zu respektieren und das Schweizer Museum wie vorgesehen als Alleinerben anzuerkennen.