Passanten vor der Filiale an der Berliner Friedrichstraße © Bundeswehr

Aber was ist eigentlich mit dem Abenteuer? Entscheidet man sich für eine Offizierslaufbahn, sagt der Feldwebel, geht es irgendwann zwangsläufig ins Ausland. Dann fliege man "mit dem Airbus nach Usbekistan und mit der Transknall weiter nach Masar-i-Scharif". Dort warteten Turkmenen, Paschtunen, Hazara. Pro Tag gebe es hundert Euro Extrasold, steuerfrei. "Machen wir uns nichts vor", sagt der Feldwebel wieder, "das ist zu wenig, wenn danach das Bein ab ist." Dafür bekommt man im norwegischen Feldlager Uhren von Festina für die Hälfte des Preises. Und die Holländer – die hätten die schönsten Frauen. Das klingt komischerweise gar nicht chauvinistisch, nur romantisch, wenn er es sagt.

Der deutsche Soldat ist eine tragische Figur. Der Staatsbürger in Uniform verfügt, anders als seine amerikanischen, französischen und britischen Kollegen, kaum über Sozialprestige. Und wie wir mittlerweile wissen, ist noch dazu seine technische Ausstattung schlecht. Eigentlich ein Wahnsinn: wie hier das Soldatentum, dieser so archaische wie heroische Beruf verkauft werden soll, während es heute kaum Erstrebenswerteres gibt, als sich selbst zu gestalten. Lieber duzt man den Agenturchef und teilt gut designte Fotobeweise von Überstunden auf Instagram, als sich vom Spieß anschreien zu lassen und sich zu fünft auf einer Stube zu drängen. Ehre, Tapferkeit, Kameradschaft scheinen antiquierte Tugenden zu sein.

Das soll sich ändern. Dafür kämpft Ursula von der Leyen mit viel Geld. Nächstes Jahr wird sie mehr als 35 Millionen Euro für Bundeswehr-Werbung ausgeben. Der Mietvertrag für den Showroom läuft noch zehn Jahre. Der Feldwebel schaut durch die Glastür nach draußen. "Mal sehen, wie lang die Scheiben halten."