Drive me to the Pod Bay, Siri, ruft der Mann in Richtung Frontarmatur des Wagens. I’m sorry, Dave, I’m afraid I can’t do that. Sanft und langsam spricht die Frauenstimme aus dem Lautsprecher. Der Mann auf dem Sitz wird energischer. What are you talking about, Siri? Verunsichert starrt er auf das kleine rote Licht. Einen Moment ist es ruhig, dann meldet sich erneut die Stimme. This mission is too important for me to allow you to jeopardize it. Das Auto setzt sich in Bewegung. Am Pod Bay wird Dave niemals ankommen.

Der ewige Albtraum, die Maschine, die sich selbstständig macht. Goethe träumte ihn mit dem Zauberlehrling, Mary Shelley träumte ihn mit Frankensteins Monster, Stanley Kubrick träumte ihn mit dieser Szene – noch ohne Siri. Im Original stammt sie aus seinem Film 2001: Odyssee im Weltraum. Das rote Kameraauge HAL 9000, der fiktive Computer des Raumschiffs Discovery, verweigert dem Astronauten Dave den Befehl. Der Mensch verliert die Kontrolle, allein gegen die übermächtige Technik, allein mitten im All. Doch hier spielt die Szene auf der Erde. In einem Auto, iCar, softwaregesteuert, in nicht allzu ferner Zukunft. 2031: Odyssee mit Hubraum.

Technisch wird es bis dahin möglich sein, wahrscheinlich sogar viel früher. Alle großen Autohersteller arbeiten am fahrerlosen Auto, zusätzlich die Innovatoren Google und Apple. Google stellte der Weltöffentlichkeit im Mai 2014 einen fahrbaren Zwischenstand vor, Apple zog nach und warb in den vergangenen Wochen offensiv Ingenieure aus der Autoindustrie ab. Prototypen meistern Teststrecken, stellen immer wieder neue Entfernungsrekorde auf, vielleicht wird eine der Fahrten in die Geschichtsbücher eingehen, wie bei Bertha Benz damals, nur ohne Bertha Benz. Und irgendwann wird die Marktreife erreicht sein. 2017 will Volvo 100 selbstfahrende Autos an Kunden in Göteborg übergeben, schon heute umkreisen Testwagen die Stadt.

"No 9000 computer has ever made a mistake or distorted information. We are (…) foolproof and incapable of error."
HAL 9000

Jenseits des Technikjournalismus sind die Ressentiments gegenüber den Selbstfahrenden groß. Unsichere, unnütze, degradierende Trojaner kämen da auf uns zu. Wirklich?

Mit optionaler Fußgängererkennung. Die dem Werbeplakat nach hervorragende Eigenschaft des VW Passat Variant klingt ziemlich fies. Es erinnert an die Fakewerbung Ludwigsburger Filmstudenten. Ein Mercedes mit Collision Prevention Assist rauscht durch eine Landschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts, hält erst problemlos vor zwei spielenden Mädchen, überfährt dann aber zielsicher einen kleinen Jungen. Slogan: Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen. Und der Junge? Das Schlussbild zeigt das Ortsschild, Braunau am Inn, eine entsetzte Mutter schreit: Adolf.


Doch ganz so selektiv funktioniert die Fußgängererkennung von Volkswagen nicht. Ist sie aktiviert, gibt sie zunächst ein akustisches und optisches Signal, sobald ein Passant unvermittelt auf die Fahrbahn tritt. Bremst der Fahrer nicht, wird er mit einem Bremsruck auf die bevorstehende Gefahr hingewiesen. So weit, so gut. Doch jetzt wird es interessant: Bremst der Fahrer immer noch nicht, führt das System automatisch eine Notbremsung durch. Ohne den Fahrer zu fragen! Den freien Willen des Fahrers übergehend! Man nimmt ihm das Recht, jemanden zu überfahren!