Der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano ist tot. Er starb im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in seinem Geburtsort Montevideo in Uruguay an den Folgen einer Krebserkrankung, melden übereinstimmend mehrere spanische und lateinamerikanische Medien. Galeano zählte zu den wichtigsten Publizisten Lateinamerikas.

Der Journalist Galeano verkaufte bereits mit 14 Jahren erste Texte an Tageszeitungen in Montevideo, im Alter von 20 Jahren wurde er stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Marcha. Weltbekannt wurde Galeano 1971 mit seinem Hauptwerk Die offenen Adern Lateinamerikas, in dem sich der Journalist mit der Geschichte Südamerikas seit seiner Entdeckung beschäftigte.  

Galeano geht in dem Buch, das zunächst in Chile, Argentinien und Uruguay verboten war, der Frage nach, warum Lateinamerika so arm ist. Er beschreibt die Unterentwicklung als Folge der Entwicklung anderer: Bedingung für den Aufstieg Europas sei die Plünderung Lateinamerikas gewesen; als Motor des blühenden Handels charakterisiert er die Sklaverei. Galeano schlägt einen Bogen von Christoph Kolumbus bis in die Gegenwart des Kontinents. Die offenen Adern Lateinamerikas wurde bald nach seinem Erscheinen zu einem Klassiker der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – nicht zuletzt, weil das Buch trotz seiner wissenschaftlichen Fundierung eine literarische Sprache pflegt.

Nach dem Militärputsch in Uruguay 1973 wurde Galeano verhaftet und gezwungen, Uruguay zu verlassen. Er floh nach Argentinien und gründete während des zweijährigen Exils das Kulturmagazin Crisis. Als 1976 auch in Argentinien das Militär die Macht übernahm und ihn nach ihm fahndete, wanderte er ins spanische Exil aus, wo er bis zum Ende der Franco-Diktatur verweilte. In dieser Zeit entstand sein dreibändiges Werk Erinnerungen an das Feuer. 

1985 kehrte der linke Journalist nach Montevideo zurück, wo er bis zuletzt lebte. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt, 2010 erhielt Galeano den schwedischen Stig-Dagermann-Preis für Die offenen Adern Lateinarmerikas.