Die russische Ballettlegende Maria Plissezkaja ist im Alter von 89 Jahren nach Angaben des Bolschoi-Theaters in Deutschland gestorben. "Ihr Herz hat aufgehört zu schlagen", sagte Bolschoi-Chef Wladimir Urin russischen Agenturen zufolge. "Ihr Mann hat mich angerufen. Sie ist einem schweren Herzanfall erlegen", sagte Urin. 

Plissezkaja galt als eine der bedeutendsten Ballerinas des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1943 und 1989 tanzte sie die wichtigsten Rollen am Bolschoi-Theater. Der Sterbende Schwan in Schwanensee war ihre Glanzrolle, mit der sie bis ins hohe Alter im In- und Ausland auftrat. Als Carmen, Anna Karenina, Aschenputtel oder Giselle begeisterte sie ihr Publikum. Daneben machte sich Plissezkaja in ihrer mehr als 60-jährigen Karriere auch als Choreografin einen Namen. In den letzten Jahren pendelte sie zwischen Moskau und München.

Auch wenn ihr Talent früh erkannt wurde, verlief Plissezkajas Karriere alles andere als geradlinig. Die Tochter einer russisch-jüdischen Familie wurde am 20. November 1925 in Moskau geboren. Ihr Vater verschwand 1938 während der Repressionen unter Sowjetdiktator Josef Stalin. Erst 52 Jahre später erfuhr sie, dass er schon kurz nach der Festnahme erschossen wurde. Ihre Mutter, eine bekannte Schauspielerin, wurde nach Kasachstan deportiert, als Maja elf war. Da sie als "Tochter von Volksfeinden" galt, konnte sie erst sechs Jahre nach Stalins Tod im Alter von 33 Jahren mit dem Bolschoi-Theater erstmals auf USA-Tournee gehen.

Die willensstarke Tänzerin forderte mehrfach die Sowjetbürokratie heraus – beispielsweise, indem sie in das Repertoire des Bolschoi Choreografien von Maurice Béjart aufnahm, die einige Kulturfunktionäre nicht goutierten. Der Franzose widmete ihr das Ballett Ave Maja, das sie 2005 mit 80 Jahren im Kreml tanzte.

Der prominente russische Kulturpolitiker Michail Schwydkoi sprach von einem schmerzhaften Verlust. Plissezkaja sei eine göttliche und leidenschaftliche Tänzerin und Schauspielerin gewesen. "Russland trauert um eine großartige Frau und Künstlerin", sagte er. Präsident Wladimir Putin übermittelte den Angehörigen sein Beileid.