Der Verleger Alfred Neven DuMont ist tot. Nach Angaben des Medienhauses M. DuMont Schauberg (MDS) starb der Herausgeber und langjährige Aufsichtsratsvorsitzende des Verlags am Samstag im Alter von 88 Jahren. Neven DuMont galt als eine der letzten großen Verlegerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit.      

"Der Gründungsherausgeber der rheinischen Boulevardzeitung Express hat maßgeblich die Geschicke der Zeitungen, allen voran des Kölner Stadt-Anzeiger, beeinflusst", sagte der MDS-Aufsichtsratsvorsitzende Christian DuMont Schütte. "Der Verlust meines langjährigen Partners trifft mich schwer."

Neven DuMont wurde am 29. März 1927 als Spross einer Kölner Verlegerdynastie geboren, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Zunächst war er in München als Schauspieler und Regieassistent tätig. Dann ging er in die USA, um das Medienwesen zu studieren. 1953 trat er in den Verlag seines Vaters ein und wurde 1960 Herausgeber des Kölner Stadt-Anzeigers. 1964 gründete er den Express.   

Heute erscheinen auch die Kölnische Rundschau, die Berliner Zeitung, die Mitteldeutsche Zeitung, die Hamburger Morgenpost, die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier in der MDS-Gruppe. Die Zeitungen haben eine tägliche Gesamtauflage von mehr als einer Million. Zur Gruppe gehören auch der Buchverlag DuMont und Beteiligungen an Radio- und Fernsehsendern und Anzeigenblättern. 

Im Jahr 2013 kam die Mediengruppe DuMont Schauberg auf ein Konzernergebnis von 1,6 Millionen Euro – nach einem Verlust von 112 Millionen Euro im Jahr zuvor. Das Haus beschäftigt an mehreren Standorten insgesamt mehr als 3.000 Mitarbeiter.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) teilte mit, Alfred Neven DuMont sei eine "profilierte Leitfigur des verlegerischen Schaffens" gewesen. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) bezeichnete ihn als "Markstein in der deutschen Medienlandschaft". Er habe sich mit großem Engagement in öffentliche Debatten eingemischt.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nannte Neven DuMonts Eintreten für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte beispielhaft. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellte heraus, dass der Qualitätsjournalismus dem Verleger stets am Herzen gelegen habe. 

Wohltätiger Visionär

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters bezeichnete den Verstorbenen, der ein Ehrenbürger der Stadt war, als Mann mit nahezu unbändiger Gestaltungskraft. Neven DuMont habe wesentlich den Ruf Kölns als führende Medien- und Zeitungsmetropole geprägt. "Wir verneigen uns vor seinem Lebenswerk."   

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki würdigte den Zeitungsverleger als bedeutende Persönlichkeit. Beeindruckt habe ihn auch das wohltätige Engagement DuMonts, das er in Köln und vor allem in einer Vielzahl von Projekten in Afrika geleistet habe.

WDR-Intendant Tom Buhrow nannte DuMont einen "Visionär". Die persönlichen Begegnungen mit ihm seien beeindruckend gewesen. "Ich werde ihn als Gesprächspartner sehr vermissen." 

Neven DuMont sei bis zu seinem Tod der gewesen, als den man ihn gekannt habe, erinnert sich sein Kölner Stadt-Anzeiger im Nachruf an ihn: "Ein Herr, ein Steuermann, einer, der die Richtung vorgibt. Und auch als die Kräfte nachließen, die Stimme immer leiser wurde und das Atmen schwer fiel, hat er noch von der Zukunft gesprochen." 

Er hinterlässt seine Frau Hedwig, eine geborene Prinzessin von Auersperg, sowie seine Kinder Isabella (47) und Konstantin (45). Der älteste Sohn des Paares, Markus, ein Künstler, starb 1995.