Der Bühnenbildner Bert Neumann ist tot. Er starb bereits am Donnerstag im Alter von 54 Jahren, wie eine Sprecherin der Berliner Volksbühne mitteilte. Neumann war vor allem für seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur Frank Castorf berühmt. Zudem entwickelte er Bühnenbilder für Regisseure wie René Pollesch, Leander Haußmann und Johan Simons.

Mit teils mehrstöckigen Wohncontainern entwarf Neumann bewegliche Stadtlandschaften. Den Theaterzuschauern gewährte er so geschickt Einblicke in fremde Schlafzimmer und Wohnstuben. "Mir gefällt es, wenn sich die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum auflöst", sagte Neumann einmal.

Zu den Höhepunkten in Neumanns Schaffen gehörte die Neustadt, die er für Castorfs Dostojewski-Inszenierung Der Idiot baute. Das Publikum saß im Hotel Romantic World mitten auf der Drehbühne. Rundherum war eine Stadt mit komplett eingerichteten Wohnhäusern, Supermarkt, Bordell, Friseur und Kneipe aufgebaut.

Das Leben hinter den Fassaden und Türen von Neumanns berühmten Bungalows ließ sich oft nur per Videoübertragung mitverfolgen – zum Beispiel in Castorfs bis zu sechsstündigen Dostojewski-Adaptionen Die Dämonen und Erniedrigte und Beleidigte. Manchmal gab es gar Video im Video: bei Castorfs Inszenierung von Ibsens Baumeister Solness flimmerte in Neumanns Wohnkulisse mit unzähligen Türen und Schubladen unentwegt eine TV-Krankenhaus-Serie über einen Mini-Bildschirm.

Zimmerflucht mit Porno-Filmset

Im Berliner Prater ließ Neumann leicht verändert das Londoner Globe Theatre nachbauen. Dort bot er den in einer geschlossenen Arena über drei Etagen verteilten Zuschauern einen ungewohnten Blick auf Shakespeares Rosenkriege 1-8. Für Polleschs Prater-Trilogie entwarf er eine Zimmerflucht inklusive Porno-Filmset.

Neumann wurde in Magdeburg geboren und wuchs in Ost-Berlin auf. Nach einem Bühnenbildstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee arbeitete er am Hans-Otto-Theater in Potsdam. 1990 war er Mitbegründer des Grafikbüros LSD in Berlin. Seit 1988 arbeiteten Neumann und Castorf zusammen.

Für seine Arbeit wurde Neumann unter anderem mit der Joseph-Kainz-Medaille der Stadt Wien und dem Theaterpreis Berlin ausgezeichnet. Mehrfach wurde er in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Theater heute zum Bühnenbildner des Jahres gekürt. Noch im April erhielt er für seine "stets neuen, radikalen Bühnenerfindungen" den Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis.