In Bayern ist ein drei Meter hohes Bronze-Pferd von dem NS-Staatskünstler Josef Thorak entdeckt worden. Die Skulptur steht ohne erläuternde Dokumentation auf dem Schulhof eines öffentlichen Gymnasiums in Bayern, dem Landschulheim Ising am Chiemsee. Aufgespürt hat das Kunstwerk die Süddeutsche Zeitung.

Zwei solcher Pferde übergab der Künstler Adolf Hitler, der sie vor seine Reichskanzlei stellte. Die aggressiv gezeichneten und etwa drei Meter hohen Pferde sollen den Machtanspruch des Dritten Reiches symbolisieren. Mit dem dritten Pferd bezahlte die Familie der Zeitung zufolge die Schulgebühren ihres Sohnes im Jahr 1961. 

Die zwei anderen Pferde wurden erst im Mai in Bad Dürkheim beschlagnahmt. Sie fielen Kunstfahndern des Landeskriminalamtes Berlin in Bad Dürkheim bei einer bundesweiten Razzia in die Hände. Auf dem Schwarzmarkt waren sie in den vergangenen Jahren zum Preis von bis zu vier Millionen Euro angeboten worden. Die Schule ist dagegen rechtmäßiger Besitzer des Pferds.

Wie die Zeitung schreibt, dürften noch viele Nazi-Kunstwerke im öffentlichen Raum undokumentiert zu finden sein. Andere Skulpturen oder Bilder würden nicht mehr aus Museumsarchiven geholt, aus Angst, sie könnten das Publikum mit NS-Gedankengut infizieren.

Josef Thorak gilt als Lieblingskünstler Adolf Hitlers. Er gehörte zu einem Kreis von NS-Künstlern und Hitler-Günstlingen, die von Staatsaufträgen lebten. Der Diktator richtete ihm ein teures Atelier ein und befreite ihn vom Frontdienst. Seine Skulpturen sollten die Autobahn zieren. Auch Max Schmeling stand für Thorak Modell, unter anderem für eine Bronzeplastik des Boxers für das Reichssportfeld in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Thorak weiter Aufträge, unter anderem von seiner Heimatstadt Salzburg.