Im SZ Magazin ließ man kürzlich in einer Titelgeschichte rund um den Gebrauch des Wortes direkt zu Anfang zwei schrille Figuren zu Wort kommen. Beides Afrikaner, der eine ein glühendes Mitglied der AfD, der andere Besitzer des Restaurants "Zum Mohrenkopf". Auch hier sehe ich das Problem nicht bei den Protagonisten der Reportage. Leute mit Stockholm-Syndrom gibt es überall. Das Problematische ist diese neue, vorgespielte Naivität der Medien, mit der quasi legitimiert wird, sich im Streit um die richtigen oder falschen Begriffe nicht verrückt machen zu lassen: "Wenn selbst der Afrikaner AfD wählt und das Wort 'Mohr' lustig findet, dann komm' mir bitte nicht mit politischer Korrektheit." 

Als Roberto Blanco sich äußerte und sagte, das Wort "Farbiger" würden schwarze Menschen passender finden als das N-Wort, hat mit Sicherheit das halbe Afro-Deutschland aufgeheult. Denn farbig ist als Fremdbezeichnung ebenfalls problematisch, da es rassistisches Gedankengut der Apartheidpolitik transportiert. Auch hier ist aber weniger das Wort das Problem, als der Fakt, dass jemand wie Blanco plötzlich zum Experten und stellvertretenden Sprecher für alle Afrodeutschen wird. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sind das anscheinend zu viele Feinheiten. Er nahm Innenminister Herrmann nach dessen "Integrationskompliment" in Schutz: "Nach seiner Erklärung, nach seinem Bedauern gegenüber Roberto Blanco und nach der noblen Reaktion von Roberto Blanco ist die Angelegenheit für mich erledigt." Fantastisch, wenn man so sorgenfrei durchs Leben schlendern kann. Doch es gibt viele, die das eben noch nicht können.

Die vergangene Ausgabe des Geo-Magazins präsentierte eine neue, "bunte" Gesellschaft. Schöne, junge Menschen mit Wurzeln in Deutschland, Ghana, Tschechien, Togo und den USA. Die fröhlich flötende Botschaft: Immer mehr Deutsche werden demnächst neue Gesichtszüge tragen – ist das nicht schön! Auch hier wurde das Thema Rassismus ziemlich weit an den Rand gedrängt. Aber immerhin: Wir sahen junge Leute, mit dunkler Haut, grünen Augen und blonden Locken, die mit entspanntem, selbstbewusstem Blick in die Geo-Kamera schauen. Vielleicht werden sie noch erleben, was ich damals auf der Kirmes hoffte: dass das N-Wort Innenministern, Journalisten und Eltern auf Kindergeburtstagen – "Noch irgendjemand einen Negerkuss?" – nicht mehr so locker über die Lippen gehen wird.